Positionen

03.04.2014

Lebensqualität. Anerkennung. Aktives Alter.

Die Älteren unter uns haben die gleichen Rechte auf individuelle Entfaltung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Positionen der BayernSPD-Landtagsfraktion.

Bei uns hat Alter Zukunft. Wir nehmen die Herausforderungen des demografischen Wandels an und begreifen die Gesellschaft des längeren Lebens als eine Chance. Eine Chance, für längere Aktivität, für Gesundheit und Lebensqualität.

So notwendig eine gute Gesundheitsversorgung und Pflege oder eine angemessene Altersversorgung sind, nicht minder wichtig ist, dass unsere Gesellschaft ein positives Bild vom Alter entwickelt.

Es ist ein Unterschied, ob ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger unter dem Vorurteil leiden, vornehmlich als Leistungsempfänger zu gelten, oder ob sie nicht auch als Leistungsträger für die Gesellschaft anerkannt werden.

Das Alter ist vielseitig und facettenreich. Die Älteren unter uns haben die gleichen Rechte auf individuelle Entfaltung und gesellschaftliche Partizipation. Sie bereichern das Zusammenleben, wenn ihre Stärken und ihre Erfahrung selbstverständlich in die Gesellschaft einfließen können.

Die SPD-Landtagsfraktion hat einen Aktionsplan „Für ein aktives Altern“ erstellt. Unsere Vorschläge mit denen wir uns für ältere Menschen einsetzen, stellen wir hier zur Diskussion.

Wir brauchen positive Altersbilder

Die Bilder, die eine Gesellschaft vom Alter hat, beeinflussen Wahrnehmung und Wertschätzung der älteren Menschen unter uns. Ihre Einbindung in alle gesellschaftlichen Bereiche ist der Schlüssel zu positiven Altersbildern.

In der Politik, in der Wirtschaft, in allen Lebensbereichen, aber vor allem in der medialen Kommunikation muss künftig mehr Betonung auf die Darstellung der Stärken älterer Menschen gelegt werden.

Die Möglichkeiten gesellschaftlicher Partizipation für Ältere muss ausgebaut werden.

Recht auf Ruhestand & Recht auf Arbeit

Arbeit kann in jedem Alter erstrebenswert und befriedigend sein. Wir fordern:

  • Das Recht auf Ruhestand muss gewahrt bleiben, ohne das Recht auf Arbeiten über das Ruhestandsalter hinaus zu beschneiden. Altersgrenzen müssen flexibler gestaltet werden.
  • Arbeit muss auf die Lebensphasen Rücksicht nehmen. Im höheren Alter ist man nicht weniger, sondern anders leistungsfähig. Dies ist bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes zu berücksichtigen.
  • Die Förderung der Potenziale älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch Weiterbildung; Weiterbildungsmaßnahmen sind für alle Altersgruppen von nachhaltiger Bedeutung.

Aktiv & mobil im Alter

Eine aktive Lebensgestaltung im höheren Alter hat positive Auswirkungen auf die Gesundheit und die Eingebundenheit in die Gesellschaft.

Ob privat oder im öffentlichen Raum: Aktivitäten sind vielfältig und müssen daher auch differenziert gefördert werden. Wir fordern:

  • Barrierefreiheit im Alltag; sie ist Voraussetzung für Mobilität und eine altersgerechte Infrastruktur.
  • Teilhabe funktioniert auch über das Internet. Auch in diesem Bereich müssen Barrieren für ältere Bürgerinnen und Bürger abgebaut werden.
  • Eine verstärkte Anerkennung und Förderung des Ehrenamtes allgemein und der ehrenamtlichen Tätigkeit von Vereinen und Vereinigungen im Besonderen, die sich um Belange der Älteren kümmern (wie z. B. die Landesseniorenvertretung Bayern).
  • Behindertengerechte Anpassung der Wohnstandards. Die Mittel für das KfW-Programm „Altersgerecht umbauen“ müssen erhöht werden.
  • Quartiersbezogene Angebote für Sport und Freizeitgestaltung, um gesellschaftliche Partizipationsmöglichkeiten zu schaffen.

Prävention & Pflege stärken

Der wirtschaftliche Aufwand für Pflegeleistungen wird in Zukunft deutlich steigen. Eines der wesentlichen Ziele der Pflegeversicherung ist die Stärkung der häuslichen Pflege nach dem Motto: „Ambulant vor stationär“. Pflegebedürftige sollen möglichst lang in der häuslichen Umgebung bleiben. Die Älteren möchten ihre sozialen Kontakte aufrechterhalten, und unabhängig bleiben.

Daher fordern wir:

  • Höhere Altersgruppen müssen genau wie die jüngeren Zielgruppe von Gesundheitsförderung und Prävention werden - und zwar regelmäßig und wohnortnah. Neue Erkenntnisse weisen auf beachtliche Präventions- und Rehabilitationspotentiale im Alter hin.
  • Die Ausbildung zum Kranken- oder Altenpfleger muss für Auszubildende kostenfrei sein.
  • Bereits in der Ausbildung unserer Ärzte muss ein stärkeres Gewicht auf die Bereiche Gerontologie und Geriatrie gelegt werden. Die Schaffung neuer Lehrstühle gerade in der Geriatrie ist unabdingbar für Forschung und Lehre in Deutschland.
  • Den flächendeckenden Ausbau von mobilen Reha-Teams. Dieser sorgt für quartiersbezogene Unterstützung und ermöglichen den Verbleib in der eigenen Wohnung. Reha-Teams tragen darüber hinaus zur Pflegefallvermeidung bei.
  • Die Nachbarschaftshilfe, vor allem auch im hauswirtschaftlichen Bereich muss gestärkt werden.
  • Eine bessere Verzahnung der nachstationären Versorgung hilft für einen reibungslosen Übergang in die häusliche Umgebung. Dafür muss die Stellung der Haus- und Familienpfleger, gestärkt werden.

Prof. Dr. Peter Paul Gantzer

Sicherheitspolitischer Sprecher der BayernSPD-Landtagsfraktion und Alterspräsident des Bayerischen Landtags

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Doris Rauscher

Stv. Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit und Soziales, Jugend, Familie und Integration des Bayerischen Landtags

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