Positionen

22.10.2013

Gleichstellungspolitik: Frauen verdienen mehr

Von Dr. Simone Strohmayr, MdL, frauenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion

Die SPD-Landtagsfraktion setzt sich für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf allen Ebenen in der Gesellschaft ein. Wir wissen: die Durchsetzung der Gleichstellung von Frauen und Männern ist kein Selbstläufer. Eine Quotenregelung für die Besetzung von Führungspositionen, gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit sowie Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind die Ziele unserer politischen Arbeit.

Frauen verdienen mehr:
Bessere Karrierechancen für Frauen im öffentlichen Dienst ...

Im mittleren und gehobenen öffentlichen Dienst des Freistaates sind mehr als 50 Prozent der Beschäftigten Frauen; im höheren Dienst sind es nur 30 Prozent. Die Hälfte der Studienanfänger, aber nur knapp ein Viertel der Habilitanden und nur 11 Prozent der Professoren sind Frauen. In den Grund- und Hauptschulen stellen Frauen drei Viertel und Männer ein Viertel der Lehrpersonen; in den Schulleitungen sind die Frauen nur zu einem knappen Drittel vertreten. In den bayerischen Krankenhäusern sind mehr als ein Drittel der Ärzte, aber nur gerade 6 Prozent der Chefärzte Frauen. 25 Oberbürgermeistern stehen nur drei Frauen gegenüber, 71 Landräten ebenfalls drei Frauen.

Viele Stellen sind zudem nur in Vollzeit ausgeschrieben. Das hat nachteilige Auswirkungen auf Karrierechancen und -verläufe von Frauen mit Kindern (oder Kinderwunsch). Die SPD-Landtagsfraktion ist daher der Meinung, dass Führen auch in Teilzeit ermöglicht werden muss.

Ein weiteres Merkmal für die unzureichende Umsetzung der Gleichstellung ist die nach wie vor weit verbreitete „Nichtbestellung“ von Gleichstellungsbeauftragten. Das wollen wir dringend ändern. Die Einhaltung des Gleichstellungsgesetz und der -konzepte muss nachhaltige Praxis werden. Zu optimieren ist außerdem die Freistellung und Entlastung von Gleichstellungsbeauftragten von dienstlichen Aufgaben und die Ausstattung mit Personal- und Zeitbudgets.

79,5 Prozent der Dienststellen haben Frauen – trotz erheblicher Unterrepräsentanz in einer Zielgruppe – nicht aufgefordert, an Fortbildungsmaßnahmen teilzunehmen. Nur 35,7 Prozent führen Fortbildungsveranstaltungen zu den Themen Chancengleichheit, geschlechterspezifische Sichtweise und Benachteiligungen von Frauen am Arbeitsplatz durch. Daraus kann geschlussfolgert werden, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Sensibilisierungsmaßnahmen in den Dienststellen im Zeitvergleich wieder geringer geworden ist und noch nicht den Stellenwert erreicht hat, der notwendig wäre, um den Erfordernissen der Gleichstellung und der Chancengleichheit gerecht zu werden. Eine größere Verbindlichkeit diesbezüglicher Schulungen gerade auch für Führungskräfte ist daher unverzichtbar.

.... und in der Privatwirtschaft.

Da in Bayern Führungspositionen auch im Bereich der Privatwirtschaft männlich dominiert sind und eine freiwillige Selbstverpflichtung der Arbeitgeber meist im Sande verläuft, ist eine Frauenquote unabdingbar. Dabei geht es nicht um einen Frauenbonus sondern darum, dass ausschließlich die bei Frauen oft ohnehin höhere Qualifikation den Ausschlag bei Beförderungen geben darf.

Frauen verdienen mehr:
Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit

Frauen erhalten rund ein Viertel weniger Gehalt als Männer. In Bayern liegt der Frauenanteil beim Einkommen unter 1000 Euro bei 75 Prozent. Je höher das Einkommen, desto geringer der Frauenanteil. Bei Einkommen über 4500 Euro ist gerade noch ein Frauenanteil von 11 Prozent zu verzeichnen. Zwei Drittel der im Niedriglohnbereich Beschäftigten sind Frauen. Wirtschaftsbereiche, in denen vor allem Frauen beschäftigt sind – der Dienstleistungsbereich, Hotel und Gaststätten, Einzelhandel, Gesundheit und Soziales, Landwirtschaft, Nahrungs¬mittelproduktion – sind Niedriglöhne besonders verbreitet. Als Folge hiervon haben die Frauen in Bayern bundesweit die geringste Rente, und bis heute ist Altersarmut weiblich. Neben einer konsequenten Durchsetzung des Prinzips „Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“ ist ein gesetzlicher festgelegter Mindestlohn dringend erforderlich weil dieser vor allem den Frauen in Deutschland hilft.

Frauen verdienen mehr:
Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Eine zentrale Voraussetzung für die materielle Gleichstellung von Frauen und Männern ist die Möglichkeit einer gleichberechtigten Teilnahme am Erwerbsleben. Deshalb fordert die SPD-Landtagsfraktion einen zügigen Ausbau der Plätze in Kinderkrippen und ein kostenloses verpflichtendes letztes Kindergartenjahr damit Bayern in der familienergänzenden Kinderbetreuung den Anschluss an die anderen Bundesländer findet. Zu fördern sind außerdem Programme, mit denen Unternehmen Anreize auch für Männer zur Inanspruchnahme des Elterngeldes schaffen.

Dr. Simone Strohmayr

Stellvertretende Vorsitzende der BayernSPD-Landtagsfraktion

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