Positionen

22.10.2013

Mehr Kultur im Klassenzimmer: Kulturelle Bildung

Von Isabell Zacharias, MdL, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion

Kultur öffnet Welten. Welten spannender Geschichten, lebendiger Bilder und spielerischer Momente, Welten voller Klänge und neuer Einsichten. Kinder und Jugendliche brauchen kreative Kompetenzen und Experimentierfelder, um starke Persönlichkeiten zu werden.

Der Erwerb von Schlüsselkompetenzen durch kulturelle Bildung gewinnt angesichts wachsender Herausforderungen an Bedeutung: zunehmende Jugendarbeitslosigkeit, mangelnde Familien- und Kinderfreundlichkeit, Kinderarmut und eine hohe Abhängigkeit der Bildungsbeteiligung vom sozialen Status des Elternhauses bestimmen unsere gesellschaftliche Realität. Die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages empfiehlt in ihrem Schlussbericht „Kultur in Deutschland" ebenso wie übereinstimmend die Kultusministerkonferenz und der Deutsche Städtetag den Ausbau der kulturellen Bildung für Kinder und Jugendliche. Die SPD-Landtagsfraktion ist die treibende Kraft in der Kulturpolitik Bayerns, erst recht wenn es um kulturelle Bildung geht. Denn Bayern steht beim Aufbau einer institutionalisierten kulturellen Bildung erst am Beginn. Das für den Freistaat Bayern veröffentlichte Gutachten der Expertenkommission "Zukunft Bayern 2020" attestiert dem Freistaat, dass er in vielen Bereichen der kulturellen Bildungsangebote im bundesweiten Vergleich noch weit abgeschlagen liegt. Vergleichbare Länder wie Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg erreichen entschieden mehr Kinder und Jugendliche mit dauerhaften Förderprogrammen und dies flächendeckend.

Positive Beispiele und Modelle von Kooperationen von Schule, kulturelle Bildung und Kunst gibt es viele. Doch meist sind diese Modelle ohne strukturierte Verankerung und ohne regelmäßige Förderungen auf den Ebenen von Stadt / Land / Bund. Hier fehlt die systematische Moderation, Aktivierung und Qualifizierung der verschiedenen Partner.

Die kulturelle Bildung muss in den Lehrplänen gleichberechtigt sein mit der schulischen Bildung. Bayerns Schulen brauchen ein erweitertes Bildungsverständnis: Kulturelle Bildung ist Persönlichkeitsbildung, trägt zum sozialen Lernen bei, fördert Kreativität und Fantasie und lässt Kinder neue Welten, Perspektiven und Horizonte entdecken.

Die Städte erbringen bei der kulturellen Bildung bereits große Vorleistungen. Mit den Kultur- und Schulservice-Netzwerken in München, Nürnberg, Augsburg, Coburg. sind in den Kommunen erfolgreiche Strukturen zur Vermittlung und Vernetzung von Kooperationen zwischen Schulen, Künstlern, Kulturvermittlern und Kinder- und Jugendarbeit geschaffen worden. Diese Strukturen sollten bayernweit ausgebaut werden.

Die Ganztagsschulen bieten hervorragende Möglichkeiten, kulturelle Bildung tiefer im Schulalltag zu verankern. Gerade in dieser Schulform können Kinder - unabhängig vom Bildungshintergrund – nach Interessen und Begabungen gefördert werden.

Kulturelle Bildung an Schulen heißt, dass alle Kinder die Möglichkeit haben sollen, Künstlern bei der Arbeit zuzusehen und selbst künstlerisch tätig zu werden.

In der Kooperation mit Künstlern und Kulturpädagogen können Kindern neue Zugänge zum kulturellen Leben eröffnet und gleichzeitig soziale Kompetenzen gefördert werden.

Und nicht nur die Schüler und Schülerinnen profitieren von diesen Kontakten, auch für die Lehrerinnen und Lehrer und für die Einrichtung „Schule" ergeben sich durch die Zusammenarbeit mit Akteuren aus der Kulturszene neue Perspektiven. Die Kooperationen mit außerschulischen Trägern, mit Trägern der kulturellen Kinder- und Jugendbildung bieten die Chance für interkulturelle, gestalterische, kreative und sicher auch soziale Erfahrungen für alle Beteiligten.

Isabell Zacharias

Hochschul- und kulturpolitische Sprecherin der BayernSPD-Landtagsfraktion

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