Positionen

22.10.2013

Hochschule in Europa: Bologna-Ziele umsetzen

Von Isabell Zacharias, MdL, hochschulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion

Die "Bologna-Erkärung", wurde 1999 von 29 europäischen Bildungsministern unterzeichnet. Sie hatte zum Ziel, bis 2010 einen einheitlichen europäischen Hochschulraum zu schaffen. Um dies zu erreichen, sollte unter anderem die Mobilität der Studierenden gefördert, die Vergleichbarkeit von Abschlüssen erleichtert und die gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen verbessert werden. Die Einführung von ECTS-Punkten als Leistungsnachweise sowie die Schaffung eines zweistufigen Systems von Studienabschlüssen (Bachelor und Master) sollten zur Verwirklichung dieser Ziele beitragen. Mittlerweile sind 46 europäische Staaten der Erklärung beigetreten. Bayern brachte der Bologna-Prozess die größte Hochschulreform seit Jahrzehnten und mit ihr eine Protestwelle der Studierenden wie sie das Land seit 68' nicht mehr gesehen hat. Warum?

Die hehren Ziele von Bologna wurden in Bayern nicht mal annährend erreicht. Dies verwundert kaum, wenn man sich vor Augen führt, dass den Hochschulen für diese Mammut-Reform kein Cent mehr zur Verfügung stand. Allein die vorgeschriebene Akkreditierung der neuen Studiengänge kostet pro Studiengang um die 10 000 Euro. Auf die meisten Universitäten in Bayern kommen somit Kosten in Millionenhöhe zu, die ihnen nicht von der Staatsregierung erstattet werden. Die eh schon unterfinanzierten Hochschulen haben somit noch weniger Mittel zur Verfügung, auf die Anforderungen der neuen Studiengänge zu reagieren. Diese sind weit betreuungsintensiver als Magister- oder Diplom-Studiengänge und verlangen eine Einführung neuer Lehrveranstaltungen. Ohne eine Aufstockung des Lehrpersonals sowie der Bereitstellung von zusätzlichen Räumen und Sachmitteln sind sie nicht studierbar.

Die akute Unterfinanzierung ist auch ein Grund dafür, dass nicht für jeden Bachelor-Studenten ein Master-Platz zur Verfügung steht. Die unterlassene finanzielle Hilfeleistung der Staatsregierung ist somit eine Ursache für die katastrophalen Zustände in Bayerns Hörsälen. Doch auch die inhaltliche Konzeption der neuen Studiengänge lässt viele Studierende verzweifeln. Die Lehrinhalte sind strikt festgelegt, hohe Präsenzzeiten und Pflichtveranstaltungen lassen für eine freie Interessenentwicklung kaum Platz.

Der sogenannte workload eines Studierenden beträgt 40 Stunden pro Woche und hat sich somit in vielen Fächern vervierfacht. Die enorme Stoff- und Prüfungsdichte lässt keine freie Minute für familiäres, politisches oder gesellschaftliches Engagement – geschweige denn für einen Nebenjob. Finanziell schwächer gestellte Studierende, die sich ihren Lebensunterhalt und die Studienbeiträge selbst erarbeiten müssen, sind somit stark benachteiligt. Auch ein Auslandssemester ist für viele aufgrund des hohen Zeitdrucks nicht mehr zu realisieren. Eine Förderung der Mobilität kann so nicht erreicht werden. Auch die Anerkennung von Studienleistungen ist ein Wunschtraum von Bologna geblieben. Was muss sich ändern?

Die SPD-Landtagsfraktion setzt sich dafür ein, den Hochschulen die finanziellen Mittel bereitzustellen, nach denen eine solch umfassende Reform verlangt. Weiterhin muss die Studierfähigkeit als entscheidendes Kriterium für die Akkreditierung von Studiengängen gelten. Um sie zu gewährleisten ist eine Verringerung der Prüfungsdichte sowie der Anzahl der Prüfungen notwendig. Um wirklich die Mobilität zu fördern sind Auslandsaufenthalte in die Konzeption von neuen Studiengängen zu integrieren sowie die Anrechnungsmöglichkeiten beim Hochschulwechsel zu verbessern. Der Übergang vom Bachelor- zu einem Masterstudiengang muss um weitere flexible Wege erleichtert werden. Von einer Quotierung von Masterstudienplätzen muss vollkommen abgesehen werden.

Isabell Zacharias

Hochschul- und kulturpolitische Sprecherin der BayernSPD-Landtagsfraktion

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