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03.03.2016

1,3 Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Bayern jährlich im Müll - was ist zu tun?

Von Harry Scheuenstuhl, umweltpolitischer Sprecher

Jährlich wirft jeder von uns rund 82 kg Lebensmittel in den Müll. Die Mehrheit dieser oftmals einwandfreien Produkte landet dann in der heimischen Biomüllvergärung und wird dort zu Dünger, Wärme oder Strom umgewandelt. Im Sinne des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG) ist gegen diese Art der Verwertung nichts einzuwenden, da der Definition des Abfallbegriffs nach § 5 KrWG Rechnung getra-gen wird. Abfall ist demnach dann kein Abfall mehr, wenn dieser ein Verwertungsverfahren durchlau-fen hat. Er wird damit zu einem Wertstoff, der letztlich in die heimische Wertschöpfung zurückfließt. Trotzdem ist dies nur der zweitbeste Weg.

Denn wenn rund neun Millionen Menschen Jahr für Jahr an den Folgen von Unterernährung sterben und etwa eine Milliarde Menschen an Hunger leiden, sehe ich es als unsere unabdingbare Pflicht, etwas gegen den gesellschaftlichen Wegwerfwahn zu unternehmen! Bereits während der Produktion beginnt das Ausmustern: Hochwertige Lebensmittel müssen entsorgt werden, weil bestimmte Normen, wie die Mindestgröße, nicht erfüllt werden. Gerade im Obst- und Gemüseanbau wäre eine Entschärfung spezieller Vermarktungsnormen denkbar, sodass auch vermeintlich fehlerhafte Produkte ihren Weg zum Verbraucher finden. Auch führen immer längere Lieferketten zu hohen Wegwerfquoten an der Schnittstelle zwischen Produktion und Handel. Produkte aus regionaler Erzeugung sind durch ihre kurzen Lieferwege daher die bessere Wahl, auch wenn diese etwas teurer in der Anschaffung sind.

Ein bewusster und respektvoller Umgang mit der gekauften Nahrung muss bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern Einzug finden. Teilen von überschüssigen Lebensmitteln kann eine wirkungsvolle Alternative zum Wegwerfen sein, wie diverse Plattform und Vereine beweisen. Auch sogenannte verpackungsfreie Supermärkte haben Vorteile, da hier der Verbraucher selbst die benötigte Menge bestimmen kann. Denkbar wäre auch eine maximale Wegwerfquote für den Handel. Fraglich ist es auch ob es notwendig ist, bis kurz vor Ladenschluss sämtliche Sorten von frischen Produkten vorzuhalten, wie es oft bei Bäckereien der Fall ist.

Harry Scheuenstuhl

Umweltpolitischer Sprecher der BayernSPD-Landtagsfraktion

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