Positionen

03.03.2016

Digitalisierung der Arbeitswelt: Braucht es neue Regeln?

Von Annette Karl, wirtschaftspolitische Sprecherin

Die Digitalisierung und die damit verbundene Flexibilisierung der Arbeit verändern die Arbeitsbedingungen massiv. Sie bringt sowohl für die Organisation von Arbeit und die Arbeitsgestaltung als auch für die Frage der Qualifizierung vielfältige Chancen aber auch Herausforderungen.

Der Staat hat die Aufgabe hier Rahmenbedingungen zu schaffen, die in der Ausgestaltung der konkreten digitalen Arbeitsverhältnisse einen fairen Ausgleich zwischen den Interessen von Arbeitnehmer- und Arbeitsgeberseite erreichen.

Die veränderten Arbeitsprozesse bieten vielfältige Möglichkeiten die eigene Arbeit unabhängig von Ort und Zeit zu gestalten und damit auch Familie und Beruf besser unter einen Hut zu bringen.

Sie verlangen aber auch mehr Eigenverantwortung und ein erhöhtes Maß an selbstgesteuerten Handeln, kommunikativen Kompetenzen und Selbstorganisation. Flexibles Arbeiten darf nicht zum Fluch der Dauererreichbarkeit mutieren.

Wir brauchen eine Stärkung der betrieblichen Mitbestimmung um gutes Arbeiten auch in der Zukunft zu gewährleisten. Themen sind hier der Umgang mit arbeitnehmerbezogenen Daten, die Handhabung von Gesundheitsbelangen, sowie die Planung und Umsetzung von organisatorischen Betriebsveränderungen. Aber auch die gar nicht mehr einfach zu beantwortende Frage, wann die Arbeit aufhört und die Freizeit beginnt.

Wir brauchen neue Wege in der beruflichen und akademischen Aus- und Weiterbildung, um die Chancen des Strukturwandels für die Beschäftigten zu verwirklichen. Das heißt konkret eine Modernisierung der produktionsnahen Dualen Ausbildungsberufe, eine Stärkung der Praxisorientierung der akademischen Ausbildung, einen systematischen Ausbau der Fort- und Weiterbildung und eine Stärkung der Aufmerksamkeit für zukunftsrelevante Wissensfelder.

Kinder und Jugendliche müssen frühzeitig für die Zukunftsfelder sensibilisiert werden. Medienbildung und grundlegende Informatikkenntnisse sollten in den Bildungsplänen verpflichtend verankert werden. Genauso brauchen wir Fortbildungsmöglichkeiten für Erzieher sowie Lehrer sowie die Entwicklung digitaler Lehr- und Lernmaterialien.

Annette Karl

Wirtschaftspolitische Sprecherin und Vorsitzende des Arbeitskreises der SPD-Landtagsfraktion für Wirtschaft und Medien, Infrastruktur, Bau und Verkehr, Energie und Technologie

[mehr]