Arbeitsgruppe Frauenpolitik

Gleiche Chancen und Teilhabe

Die Arbeitsgruppe Frauenpolitik der SPD-Landtagsfraktion hat eine Querschnittsfunktion: Neben Themen in eigener Zuständigkeit hat sie Gleichstellungsbelange und -interessen in allen Politikfeldern zu vertreten. Die vorrangigen Arbeitsfelder sind die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern am Erwerbsleben und der der Schutz vor Gewalt und Hilfe in Notlagen. Frauen wollen gleiche Chancen und gleiche Teilhabe in Staat und Politik, in Wirtschaft und Wissenschaft, in Justiz und Verwaltung, in Kultur und Medien, in Beruf und Familie. Arbeit ist ein wesentlicher Teil gesellschaftlicher Teilhabe.

Arbeitsgruppe Frauenpolitik

Unsere Ziele:

  • Gleiche Entlohnung bei gleichwertiger Arbeit für Männer und Frauen
  • Ein bayerisches Gleichstellungsgesetz mit klaren Zielen und der Quote
  • Mehr Frauen in Führungspositonen
  • Frauenfreundliche Beförderungs- und Qualifikationsrichtlinien
  • Diskriminierungsverbot und Abbau von Gewalt

Unsere Themen

1. Chancengleichheit im Arbeitsleben

  • Überwindung der geschlechtsspezifischen Teilung des Arbeitsmarkts: Das unterschiedliche Berufswahlverhalten von Frauen und Männern wird durch die Schule wesentlich mit beeinflusst. Die so genannten frauentypischen Berufe zeichnen sich durch erheblich schlechtere Einkommens- und Zukunftsperspektiven aus.

  • Steigerung des Frauenanteils in höheren Lohn- und Gehaltsgruppen: Neubewertung der Arbeit, um bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit typische Frauenberufe höher einzustufen. Grundsätzlich sollten bei Einstellungen, Beurteilungen und Beförderungen Familienkompetenzen verbindlich berücksichtigt werden. Benachteiligungen, die aufgrund von Kindererziehung und Teilzeitbeschäftigung bestehen, sind abzubauen.

  • Beseitigung von Benachteiligungen und Chancengleichheit in der Privatwirtschaft: Frauen erhalten durchschnittlich nur 75 Prozent der vergleichbaren Jahresbruttoeinkommen der Männer. Verantwortlich sind u. a. unterschiedliche Kriterien bei der Arbeitsbewertung von frauen- und männerdominierten Tätigkeiten. Sämtliche gesetzliche, tarifliche und betriebliche Regelungen sind daher einer gleichstellungsrechtlichen Prüfung zu unterziehen. Die Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern muss in der Privatwirtschaft aktiv unterstützt werden.
    Für den Bereich der Privatwirtschaft fehlt es bisher an verbindlichen Regelungen mit dem Ziel der Verwirklichung von Chancengleichheit für Frauen im Erwerbsleben. Die freiwillige Vereinbarung der Bundesregierung und der deutschen Arbeit geberverbände hat keine Erfolge gezeigt. Daher müssen klare gesetzliche Regelungen für Eindeutigkeit und Verbindlichkeit sorgen. Defizite und damit Handlungsbedarf gibt es vor allem bei dem Ziel der gleichen Entlohnung für Frauen und Männer für gleiche bzw. gleichwertige Arbeit, der Durchsetzung tatsächlicher Chancengleichheit für Frauen und Männer auf dem Arbeitsmarkt, einer deutlichen Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten, Vorständen sowie in Leitungspositionen von Wirtschaft, Forschung und Lehre sowie einer guten Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer, die eine partnerschaftliche Aufteilung der Betreuung von Kindern und pflege- bedürftigen Familienmitgliedern umfasst.

  • Berücksichtigung der Lebenssituationen von Frauen bei arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen: Für Frauen, die aus familiären Gründen die Erwerbsarbeit unterbrochen haben, müssen gesicherte Rückkehrchancen geschaffen werden. Langjährige ungewollte Unterbrechungszeiten sind durch ein ausreichendes Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen zu verhindern.
  • Frauenförderung an bayerischen Hochschulen: Nur 15 Prozent der Professorinnen sind weiblich. Im Bundesdurchschnitt sind es immerhin 18 Prozent. Nur mit einer Quote werden Frauen in der Wissenschaft Einzug halten.
  • Problem der Frauenarmut ernst nehmen.

2. Bayerisches Gleichstellungsgesetz mit klaren Zielen und verbindlichen Regelungen

  • Der öffentliche Dienst als Vorbild für die Privatwirtschaft: Seit 17 Jahren existiert das Bayerische Gleichstellungsgesetz für den öffentlichen Dienst. Wesentliche Verbesserungen wurden bisher nicht erreicht, da im Gesetz konkrete Vorgaben fehlen. Deshalb sind Novellierungen nötig, um durchgreifende und nachhaltige Fortschritte zu erzielen.
  • Gleiche Teilhabe von Frauen in allen Bereichen der öffentlichen Verwaltung/Quote: In Bereichen, in denen Frauen noch immer unterrepräsentiert sind, sind sie bevorzugt zu berücksichtigen. Hierfür muss eine verbindliche Regelung geschaffen werden. Die Beurteilungs- und Beförderungspraxis des öffentlichen Dienstes muss geändert werden.
  • Steigerung des Frauenanteils in Führungspositionen: Mit spezifischen Angeboten an Fach- und Führungsseminaren sind Frauen bei der Übernahme von Leitungsaufgaben aktiv zu unterstützen. Bei Stellenbesetzungen in bayerischen Gremien sind Frauen verstärkt zu berücksichtigen.
  • Gleichstellung durch Fortbildung und Schulung
  • Schutz vor sexueller Belästigung

3. Verbesserte Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familien und Erwerbsarbeit

  • Der Lebensplanung von Frauen Rechnung tragen: Frauen planen heute ihre Berufstätigkeit aufgrund einer qualifizierten Berufsausbildung als selbstverständlichen Bestandteil ihres Lebens ein. Denn für Frauen ist ökonomische Sicherheit genauso wichtig wie für Männer. Um die Chancengleichheit im Beruf zu erhöhen, ist bei allen Maßnahmen der Arbeitsmarktförderung nach dem Prinzip des Gender Mainstreaming zu verfahren.
  • Beruf und Kinder dürfen sich nicht ausschließen: Fehlende ganztägige Kinderbetreuungsplätze in Bayern sind dafür verantwortlich, dass Frauen dem Arbeitsmarkt vorübergehend ganz oder teilweise fernbleiben. Der Preis dafür ist hoch: schlecht bezahlte Jobs, weniger Rentenbeiträge, Karriereverzicht. Deshalb müssen Ganztagsschulen sowie ganztägige Betreuungsangebote für Kinder aller Altersstufen zügig ausgebaut werden.

4. Eigenständige materielle Absicherung und Schutz vor Benachteiligungen und Gewalt

  • Abbau von Benachteiligungen im Gesundheitswesen: Im gesamten Gesundheitsbereich sind Krankheiten, von denen in erster Linie Frauen betroffen sind, immer noch weniger erforscht, ebenso wie die unterschiedliche Wirkung von Medikamenten auf Frauen und Männer. Daher ist auf bayerischer Ebene ein Frauengesundheitsbericht zu erstellen, um eine notwendige Verbesserung der Qualitätssicherung bei Untersuchungs- und Behandlungsverfahren zu erreichen. Die gewonnenen Erkenntnisse müssen in die medizinische Aus- und Weiterbildung einfließen.
  • Gewalt gegen Frauen wirksam bekämpfen: In mehr als 10.000 Fällen von häuslicher Gewalt wird jährlich in Bayern die Polizei zu Hilfe gerufen. Noch immer werden Anzeichen von Gewalt nicht gesehen oder verharmlost. Durch eine breit angelegte Aufklärungsarbeit ist die Gesellschaft stärker zu sensibilisieren, um Frauen, und mit ihnen ihre Kinder, besser vor Gewalt schützen zu können.
  • Notrufe stärken: In den Empfehlungen des Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch“ und dem daraus resultierenden Abschlussbericht des Unabhängigen Beauftragten zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs vom 24. Mai 2011 wird die Sicherung der Beratung der Gewaltopfer gefordert. Es wird eindeutig festgestellt, dass nur mit einem Ausbau der Hilfsangebote allen Opfern von Gewalt und sexuellem Missbrauch angemessene und individuelle Hilfe gewährleistet werden kann.

Flyer Frauen (PDF, 2,77 MB)

Dr. Simone Strohmayr

Stellvertretende Vorsitzende der BayernSPD-Landtagsfraktion

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