1919: Hart erkämpftes Frauenwahlrecht

Bayern führt als erster deutscher Staat die politische Gleichberechtigung ein

Der Sozialdemokrat Kurt Eisner verkündet in der Nacht vom 7. auf den 8. November 1918 das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht für Männer und Frauen. Ein Meilenstein! Frauen dürfen wählen und gewählt werden! In den Reichstag, den Landtag und in die Stadträte. Das Frauenwahlrecht ist hart erkämpft – von Frauen- und Arbeitervereinen, der Stimmrechtsbewegung und mit Petitionen.

Die Einführung des Frauenwahlrechts ist der Endpunkt einer Entwicklung, an deren Beginn Frauen kein Heimatrecht und keine Staatsbürgerrechte besaßen. Von öffentlichen Ämtern, selbst von der Armen- und Waisenpflege, waren sie ausgeschlossen. Ganz besonders aber galt das für die Politik.

Wahlplakat der SPD zum Frauenwahlrecht
Wahlplakat der SPD zum Frauenwahlrecht
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Bildung ist erstes politisches Thema

Am 12. Januar 1919 bestimmen Frauen mit, wer in den Bayerischen Landtag einzieht. Emilie Mauerer ist die erste Frau in der seit 1893 bestehenden bayerischen SPD-Landtagsfraktion. Sie gehörte 1918 auch dem provisorischen Nationalrat an. Ihr Herzensanliegen ist die Bildung. Auch die weiteren Parlamentarierinnen der ersten Stunde widmen sich diesem Thema. Es sind Aurelie Deffner, Lina Ammon, Elisabeth Kaeser und Rosa Aschenbrenner.

Neue Schwerpunkte in der Politik

Von 1918 bis 2017 gibt es insgesamt 67 Frauen in der SPD-Landtagsfraktion. Die politische Arbeit von Frauen bleibt aber viele Jahrzehnte die Ausnahme. Noch in der SPD-Landtagsfraktion von 1950 sitzt nur eine einzige Frau, 1966 sind fünf Prozent der SPD-Abgeordneten weiblich. Erst die 1988 beschlossene Frauenquote bewirkt einen deutlichen Fortschritt: 1994 beträgt der Frauenanteil 31 Prozent.

Auch wenn die SPD die Frauenpolitik vorangebracht hat, ist die Beteiligung von Frauen über alle Fraktionen hinweg nicht zufriedenstellend. Im Jahr 2017 waren im Bayerischen Landtag – über alle Fraktionen hinweg – nur 29 Prozent der Abgeordneten Frauen.

Mehr Einfluss von Frauen wird die Politik und somit das Leben der Menschen verändern: Die Realität ist inzwischen, dass Frauen meist berufstätig sind, auch wenn sie eine Familie haben. Die Rahmenbedingungen aber sind dafür vielfach noch nicht gegeben. Es fehlen Kinderbetreuungsplätze, Ganztagsschulen und Unterstützung für pflegende Angehörige. Typische Frauenberufe wie Erzieherin oder Pflegekraft müssen aufgewertet werden. Mehr gezielte Frauenförderung in Ausbildung und Beruf sowie weitere Frauen in Führungspositionen werden dazu beitragen, die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern zu schließen.

BayernSPD-Landtagsfraktion
Christa Landsberger
Tel.: 089-4126 2134
christa.landsberger@bayernspd-landtag.de

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