Gastronomie

Bayerns Gasthauskultur braucht Zukunft

Einzigartige bayerische Wirtshauskultur erhalten - von Martina Fehlner, tourismuspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion

Zahl der Gasthäuser deutlich gesunken

Biergärten unter Kastanienbäumen, urige Wirtshäuser, Traditionsgaststätten mit gutbürgerlicher Speisekarte: Unsere bayerische Gaststättenkultur ist ein Herzstück bayerischer Lebensart. Hier trifft man sich, hier wird kommuniziert. Typische fränkische oder bayerische Spezialitäten kommen auf den Tisch und bei einem Bier oder Frankenwein wird in geselliger Runde angestoßen. Gerade in ländlichen Räumen erfüllt das Wirtshaus im Ort auch eine wichtige soziale Funktion. Ebenso spielen unsere Gastwirtschaften im Tourismus eine zentrale Rolle. Sie stehen für Gastfreundschaft und Willkommenskultur und tragen zu einem erheblichen Teil zu unserem positiven Image in der Welt und zum Erfolg der Leitökonomie Tourismus bei.

Jedoch ist die Zahl der Gaststätten und Wirtshäuser in den vergangenen Jahren teils deutlich gesunken, insbesondere in ländlichen Gebieten. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Die zunehmende Abwanderung in die Städte ist nur eine davon. Wir fordern bereits seit Langem mit Nachdruck eine Stärkung unserer ländlichen Räume. Nur wenn das Leben abseits der Städte für junge Menschen, Familien und Senioren gleichermaßen attraktiv ist, haben auch Gasthäuser dort eine Zukunft.

Personalmangel ist großes Problem

Auch in größeren Städten schließen Wirtshäuser und Gaststätten. Eines der größten Probleme, vor der mittlerweile die gesamte Gastgewerbe-Branche steht, ist der Personalmangel. Betriebe müssen schließen, weil Köche und Servicekräfte fehlen. Nur in gemeinsamer Anstrengung mit der Branche und durch vielfältige Maßnahmen lässt sich dem Fachkräftemangel langfristig entgegentreten. Angemessene Löhne, die den Beschäftigten und ihren Familien ein vernünftiges Auskommen sichern, gehören ebenso dazu wie gute Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Beschäftigte. Auch die Aufnahme einer Ausbildung muss wieder attraktiver gemacht werden, um die überdurchschnittlich hohen Abbrecherquoten zu senken. Die derzeit geplante Mindestausbildungsvergütung ist nur eine der gebotenen Maßnahmen und generell machen wir uns dafür stark, dass Ausbildungsberufe insgesamt wieder eine höhere gesellschaftliche Wertschätzung erfahren.

Bürokratie abbauen

Gleichzeitig sind auch die Betriebe auf Rahmenbedingungen angewiesen, die ihnen wirtschaftliches Arbeiten ermöglichen. Insbesondere kleine Betriebe dürfen nicht über ihre Belastbarkeit hinaus bürokratisch überfordert werden. Auch wenn wir eine Aufweichung der bestehenden Arbeitszeitregelungen ablehnen, muss Betrieben ein gewisses Maß an Flexibilität ermöglicht werden. Grundsätzliches Ziel bleibt für uns eine Ausweitung der Tarifbindung. Denn sie steht als Garant für gute und sichere Arbeitsbedingungen.

Wir sprechen uns für außerdem für eine Ausweitung des Gaststättenmodernisierungsprogramms aus. Ziel muss es aber sein, in erster Linie die Wirtshäuser in ländlichen Räumen zu unterstützen. Die Förderrichtlinien wie auch das für alle unbefriedigende Antragsverfahren sollten entsprechend angepasst bzw. überarbeitet werden.

Nur gemeinsam kommen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ans Ziel. Wir wollen unsere einzigartige bayerische Wirtshauskultur stark machen für die Zukunft.