Positionen

01.01.2015

Beste Bildung von Anfang an als Grundstein einer gelingenden Entwicklung

Von Doris Rauscher, MdL, Familienpolitische Sprecherin der BayernSPD-Landtagsfraktion.

Unsere Kinderkrippen, Kindergärten, Kinderhorte und Kinderhäuser haben eine enorme Bandbreite von Aufgaben. Zunächst sind sie Bildungseinrichtungen. In ihnen schaffen wir die unverzichtbare Basis, auf der Entwicklung und spätere Bildung aufbauen kann. Bildung und Lernen gestalten Pädagogen mit den Mädchen und Jungen in einem sozialen Prozess.

Für Eltern sind Kitas zugleich gefragte Erziehungsberater – zunehmend in hoch sensiblen Situationen, bei innerfamiliären Umbrüchen und Entwicklungsfragen. Sie sind stark im Umgang mit der Interkulturalität von Familien. Zugunsten sozial und wirtschaftlich schwächerer Familien vernetzen sie sich eng mit Fachdiensten, zur Gestaltung eines optimalen Übergangs auch mit den Grundschulen. Aus der Entwicklungsdokumentation der Kinder erstellen sie differenzierte Entwicklungspläne. Erzieher nehmen Kinder in ihrem gesamten Lebensausdruck wahr. Wir geben ihnen Wärme, soziale Nähe und positive Zuwendung. Sie fördern ihre Fähigkeit, menschliche Bindungen und Beziehungen einzugehen. Sie sind die Menschen, auf die sich Eltern am ehesten verlassen können – weil Sie wie sie nur das Beste für ihre Kinder wünschen.

Für eine konsequente Weiterentwicklung des Bildungssystems müssen Reformen politisch umgesetzt werden. Sie sind eine der wichtigsten Investitionen in die Zukunft unseres Landes!

Über die große Bedeutung frühkindlicher Bildung besteht mittlerweile ein breiter Konsens in Politik, Wissenschaft und Gesellschaft:

Gerade die ersten Lebensjahre sind stark prägend, denn in dieser Zeit verfügen Kinder über hohe Aufnahmekapazitäten und ein großes Lern- und Entwicklungspotenzial – es werden grundlegende Basiskompetenzen gelegt, Schlüsselqualifikationen gebildet. Kindertageseinrichtungen legen also einen Grundstein für eine gelingende Entwicklung der Kinder. Zudem bestätigen zahlreiche Studien einen direkten Zusammenhang zwischen einer hohen Qualität in der frühkindlichen Bildung und dem späteren schulischen und beruflichen Erfolg der Kinder.

Um die bestmögliche Entwicklung der Kinder zu ermöglichen, brauchen die pädagogischen Fachkräfte in den Kitas ausreichend Zeit für eine altersgerechte Betreuung und eine individuelle Entwicklungsbegleitung der Kinder und ihrer speziellen Bedürfnisse. Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn ausreichend Personal in den Kitas vorhanden ist und sich diese die Zeit nehmen können, um auf die Bedürfnisse der Kinder angemessen einzugehen.

Besonders hinsichtlich bestmöglicher Qualität in den bayerischen Kitas geht die Schere zwischen dem Erforderlichen und dem tatsächlich Machbaren jedoch nach wie vor weit auseinander. Diese Schere gilt es zu schließen, um allen Kindern in Bayern bestmögliche Bildung, Betreuung und Erziehung zukommen lassen zu können!

Mehr Zeit und Personal für beste Entwicklung der Jüngsten

Die Weichen für unsere Jüngsten müssen heute richtig gestellt werden, um unsere Kinder von Beginn an in ihrer Verschiedenheit und Besonderheit individuell bestmöglich in ihrer Entwicklung zu begleiten! Krippenausbau alleine reicht nicht aus - Qualitätsausbau und Verbesserung der Rahmenbedingungen ist absolut dringend erforderlich!

Für die individuelle Bildungs- und Betreuungsarbeit, die wir uns als SPD-Fraktion – ebenso wie die Eltern - für die Jüngsten in unserer Gesellschaft wünschen, fordern wir die Umsetzung folgender Maßnahmen:

  • Die Verbesserung der Personalausstattung in den Kitas: Nur wenn genügend Fachkräfte in den Einrichtungen angestellt werden, haben sie ausreichend Zeit, um individuelle Bildungs- und Betreuungsarbeit leisten zu können. Zusätzlich können die Öffnungszeiten am Morgen und in den Abendstunden verbessert werden und ermöglichen den Eltern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Öffnung der Kitas für Fachkräfte anderer Professionen: Multiprofessionelle Teams stärken die Einrichtungen und den Prozess der Inklusion. Sie fördern die Kinder von Beginn an nach ihrem individuellen Bedürfnissen und Potenzialen. Zudem bilden sie eine erste Anlaufstelle für Eltern bei Kindern mit Entwicklungsstörungen und können diesen unkompliziert und zügig entgegen- wirken.
  • Verbesserung der Rahmenbedingungen für Leitungen und pädagogisch Tätige: Ein wesentlicher Baustein zur Professionalisierung der Arbeit einer Erzieherin ist die Ermöglichung der mittelbaren pädagogischen Arbeit. Wir braucht festgelegte Zeiten, in denen Vor- und Nachbereitung der Bildungs- und Betreuungsarbeit erfolgen kann, wirkliche Erziehungspartnerschaft gelebt und Leitungsaufgaben professionell wahrgenommen werden können. Diese Freistellung muss verbindlich geregelt und angemessen refinanziert werden.
  • Bessere finanzielle Ausstattung der Kitas durch Anhebung des Basiswerts und eine Differenzierung der Gewichtungsfaktoren: Damit erhöht sich der finanzielle Spielraum für die Einrichtungen, die neben der Anstellung weiter Fachkräfte auch in eine bessere Ausstattung der Kitas investieren können.
  • Erzieherausbildung attraktiver gestalten: Wir wollen dem Fachkräftemangel u.a. auch durch eine attraktivere Ausbildungsstruktur begegnen und ein praxis-integriertes Modell mit Ausbildungsvergütung erproben, wie es in Baden-Württemberg beispielsweise erfolgreich umgesetzt wurde.
  • Steigerung der Wertschätzung für die Arbeit am Kind: Die Bedeutung des Berufes von Erzieherinnen und Erzieher darf nicht zu gering geschätzt werden. Sie leisten heute so viel mehr als noch vor einigen Jahren - dies muss endlich durch entsprechende Rahmenbedingungen und auch durch angemessene Entlohnung gewürdigt werden.

Bildung, Betreuung und Erziehung müssen dem Freistaat Bayern endlich mehr wert sein! Nur mit einem ganzen Strauß an Maßnahmen könnten wir die Rahmenbedingungen in den Kitas schaffen, die die beste Entwicklung der Jüngsten in unserer Gesellschaft möglich machen – unabhängig davon, aus welcher Region Bayerns und aus welchem sozialen Umfeld die Kinder kommen oder welche Bedürfnisse und Potenziale sie mitbringen!

Doris Rauscher

Stv. Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit und Soziales, Jugend, Familie und Integration des Bayerischen Landtags

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