Positionen

04.05.2015

Gastronomiesterben in Bayern: Wie kann die Wirtshauskultur gerettet werden?

Von Martina Fehlner, tourismuspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion.

Der Rückgang an Gasthäusern und Schankwirtschaften ist ein großer Verlust. Verantwortlich dafür ist nicht zuletzt der Wandel unserer Gesellschaft. Viele junge Menschen gehen lieber ins Kino oder bleiben zu Hause, statt sich mit Freunden zum Kartenspielen im Gasthaus zu treffen. Weil ihre Kinder kein Interesse am Betrieb haben, sondern lieber einen anderen Beruf ergreifen wollen, finden viele Gastronomen nur schwer Nachfolger.

Das ist die eine Seite. Das „Wirtshaussterben“, wie es plakativ heißt, ist besonders stark in ländlichen Gebieten ausgeprägt. Immer mehr Menschen wandern in die Städte ab. Die Folge: In den kleinen Ortschaften machen die Läden zu, schließen die Arztpraxen, werden Busverbindungen eingestellt – und verschwinden die Gasthäuser.

Es muss unsere Aufgabe sein, ländliche Gebiete wieder attraktiv zu machen. Dafür brauchen wir gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land. Auf SPD-Initiative hin wurde das Ziel der „Förderung gleichwertiger Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen“ nach einem Volksentscheid in die bayerische Verfassung aufgenommen und auch eine entsprechende Enquete-Kommission ins Leben gerufen. Wir wollen einen lebendigen, einen lebens- und liebenswerten ländlichen Raum. Ein ansprechendes Angebot an Gasthäusern ist auch für die Attraktivität Bayerns als Tourismusdestination wichtig. Für Urlauber stehen unsere Wirtschaften, Biergärten und Gasthäuser sinnbildlich für die typisch bayerische Lebensart, Gastfreundlichkeit und herzliche Willkommenskultur. Sie tragen zu einem ganz erheblichen Teil zu unserem positiven Image in der Welt und zum Erfolg der bayerischen Leitökonomie Tourismus bei.

Wichtig ist aber auch, dass die Gastronomen sich mit ihrer Arbeit ihr Auskommen sichern können. Wir als Politiker müssen in diese Richtung einen Bewusstseinswandel in der Gesellschaft fördern. Wir müssen bereit sein, für gute Qualität, für regionale Lebensmittel, einen angemessenen Preis zu akzeptieren. Und wir müssen uns auch für eine höhere Wertschätzung von Ausbildungsberufen im Gastgewerbe einsetzen. Damit unsere einmalige Wirtshauskultur auch künftig erhalten bleibt.