Positionen

09.10.2015

Frauen auf der Flucht brauchen besonderen Schutz

Von Dr. Simone Strohmayr, MdL, frauenpolitische Sprecherin der BayernSPD-Landtagsfraktion

Sie kommen aus Ländern, in denen sie physische und psychische Gewalt erfahren haben. Sie suchen bei uns ein Leben in Sicherheit und Frieden abseits von Verfolgung. Frauen auf der Flucht sind häufig traumatisiert und kümmern sich allein um ihre Kinder. Um den besonderen Bedürfnissen der Flüchtlingsfrauen Rechnung zu tragen, müssen Schutzräume eingerichtet werden, damit sich die Erfahrung von Gewalt nicht potenziert. Was es braucht, sind abschließbare Räume für Frauen und ihre Kinder sowie separate Sanitärbereiche.

Zwar regelt die EU-Richtlinie 2013/33 den besonderen Schutz von Asylsuchenden. Für einige Flüchtlinge ist aber gerade das Gegenteil der Fall. Eine aktuelle Anfrage der SPD an den bayerischen Landtag zeigt: Die Flüchtlingsunterkünfte in Bayern sind nicht sicher. Vor allem besonders Schutzbedürftige wie Frauen und Kinder werden immer wieder Opfer von Gewalt. Das ist schockierend, wenn man bedenkt, wie viel Leid diese Menschen schon in ihrer Heimat erlebt haben. Für uns als Fraktion ist klar: Die Staatsregierung tut einfach zu wenig, und auch noch das Falsche. Aus diesem Grund haben wir einen Antrag gestellt, wie Unterkünfte vor allem für Frauen sicherer werden. Darin fordern wir, dass Frauen auf der Flucht Möglichkeiten für eine separate Unterbringung eingeräumt werden, wenn sie von Gewalt betroffen oder bedroht sind. Die Frauen benötigen eigene Schlüssel, damit sie allein – und nur sie – Zugang zu ihrem Quartier haben. Zudem müssen räumlich getrennte Duschen und Sanitätseinrichtungen zur Verfügung gestellt werden. Uns liegt vor allem auch eine psychosoziale Betreuung am Herzen, damit Flüchtlingsfrauen über ihre Gewalterfahrungen sprechen können. Generell muss man frauenspezifische Fluchtgründe im Asylverfahren stärker gewichten.

Und noch ein Anliegen: Für die Betreuung muss genügend Personal, zudem mit regelmäßiger Supervision, zur Verfügung stehen. Ziel sollte es auch sein, überwiegend weibliches Wachpersonal zu beschäftigen. Eine optimale Betreuung ist die entscheidende Voraussetzung für die Aufarbeitung des Erlebten und für ein gutes Leben in der Zukunft.

Dr. Simone Strohmayr

Stellvertretende Vorsitzende der BayernSPD-Landtagsfraktion

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