Positionen

02.11.2015

Milchkrise – Märkte gestalten statt Krisen verwalten

Deutschland ist der größte Milchproduzent der EU, was die besondere Bedeutung der Milchpolitik unterstreicht. Von Horst Arnold, MdL, Vorsitzender des Arbeitskreises Ernährung, Landwirtschaft und Forsten der BayernSPD-Landtagsfraktion

In einer Anfrage zur Entwicklung der Milchviehhaltung in Bayern im März 2015 wurde aufgezeigt, dass sich die bayerische Milcherzeugung im Zeitraum 2005 bis 2014 von 7.553.142.000 Kilogramm um gut 8 Prozent auf 8.165.384.170 Kg steigerte.

Dies bedeutet, dass über 25 Prozent der deutschen Milch durch die rund 35.000 bayerischen Milchviehhalter produziert werden. Diese Mengen werden von 63 größeren Molkereiunternehmen und einer Vielzahl kleiner Direktvermarkter verarbeitet.

Bayern bedient hauptsächlich hochpreisige Märkte (Käse, Joghurt…), was die besseren Auszahlungspreise der Molkereien erklärt. Jedoch ist der Markt damit auch anfälliger, wenn beispielsweise Märkte wegbrechen (aktuell beispielsweise Russland) oder die Konjunktur in den Exportgebieten rückläufig ist (wie aktuell in China).

Weiterhin sind, bedingt durch die kleinteiligen, mittelständischen Strukturen gegenüber den Strukturen mit industriellem Charakter gewisse Kostennachteile gegeben:
Die Kosten der Milchproduktion liegen in Bayern bei rund 50 Cent je Kilogramm Milch und rund 7 Cent über den Kosten in Nord- und Ostdeutschland.

Aktuell werden seitens der Molkereien in Bayern rund 30 Cent je Kg an die Erzeuger ausbezahlt, was eine wirtschaftliche Produktion unmöglich macht.

Die BayernSPD Landtagsfraktion steht klar zur flächendeckenden Milcherzeugung in Bayern, besonders Betriebe in den Grünlandgebieten haben keine Alternative.

Aus diesem Grund fordern wir, dass die

  • Schaffung eines Kriseninstruments, welches im Falle eines Marktversagens nach der Anwendung anderer Instrumente (Intervention, Lagerhaltung…) auch in der Lage ist, das Angebot letztendlich zu reduzieren (beispielsweise freiwillige vorübergehende Reduzierung der Produktion gegen Ausgleich,)
  • Stärkung der Bündelung der Milchviehhalter (in Erzeugerorganisationen) gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel, um langfristig Verhandlungen auf Augenhöhe zu gewährleisten
  • Unterstützung einer Politik, die zur Lockerung der Russlandsanktionen beiträgt, um diese Märkte wieder zu erschließen (auch essentiell für den Schweine- und Obst/Gemüsemarkt!!)

Bisherige Initiativen der BayernSPD Landtagsfraktion