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30.06.2014

Entschleunigung statt Schulstress!

SPD-Landtagsfraktion macht sich mit eigenem Gesetzentwurf zur Reform des bayerischen Gymnasiums für ein modernes G9 stark

Zwei Tage vor dem Start des Volksbegehrens zur Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 bringt die SPD-Landtagsfraktion am Dienstag ihren eigenen Gesetzentwurf zur Reform des bayerischen Gymnasiums in den Landtag ein. Im Unterschied zu dem Vorschlag der Freien Wähler ist das Ziel des SPD-Entwurfs, das neunjährige Gymnasium als Regelform im Unterrichtsgesetz zu verankern.

Martin Güll, Vorsitzender des Bildungsausschusses und bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, wirft der Staatregierung Unfähigkeit vor, seit der Einführung des G8 vor zehn Jahren ein inhaltlich und pädagogisch sinnvolles Konzept für das verkürzte Gymnasium zu entwickeln: „Ich habe den Glauben daran verloren, dass Bayern bereit ist, das Gymnasium inhaltlich so aufzustellen, dass man das vernünftig in acht Jahren machen kann.“ In der jetzigen Form führe das G8 zu einer hohen Belastung ausgerechnet in der Mittelstufe, wenn die Schüler sich in der Pubertät befinden. „Jeder Lernforscher würde sagen: 'Ihr seid wohl nicht ganz dicht'“, warnt Güll mit Blick auf kritische Bemerkungen aus der pädagogischen Forschung.

Das G9, für das die BayernSPD in ihrem Gesetzentwurf eintritt, sieht deshalb nicht mehr als 30 Wochenstunden an Pflichtunterricht vor. Zu diesem Zweck müssten die Lehrpläne nicht entrümpelt, aber modernisiert werden, die Unterrichtmethoden angepasst und die Verteilung der Stunden auf die einzelnen Fächer überdacht werden. Insbesondere Buben sollen von einer Entschleunigung des Gymnasiums profitieren: „Jungen sind die Verlierer im G8. Sie bleiben häufiger sitzen und wechseln häufiger an Realschulen und Mittelschulen“, heißt es unter Punkt A des Gesetzentwurfs, der die Gefahren einer achtjährigen Gymnasialzeit aufzeigt.

Das Konzept der SPD deckt sich weitgehend mit den Vorstellungen des bayerischen Philologenverbandes, der ebenfalls die Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums fordert. Genau wie die Philologen ist auch die SPD-Fraktion der Meinung, dass begabte Schüler nach wie vor die Möglichkeit haben sollten, das Abitur bereits nach acht Jahren abzulegen. „Für Schüler, die es schneller können, müssen intelligente Lösungen gefunden werden“, fordert Güll. Dabei sollen die betreffenden Schüler stärker als bisher von der Schule unterstützt werden, wenn sie beispielsweise eine Jahrgangsstufe in der Unter- oder Mittelstufe überspringen wollen.

Grundsätzlich festhalten will die SPD-Landtagsfraktion auch an einer verkürzten Laufzeit in einem Ganztagsgymnasium mit einem entsprechenden pädagogischen Konzept. Auch die Idee einer flexiblen Oberstufe als „Beschleunigungsmöglichkeit“ müsse weiter verfolgt und von der Kultusministerkonferenz ermöglicht werden, fordert der SPD-Bildungsexperte. „Mehr noch als auf die Laufzeit des Gymnasiums wird es aber auf die inhaltliche Neukonzeption ankommen“, betont der Vorsitzende des Bildungsausschusses. Diese inhaltlichen Details des künftigen G9 sollten fraktionsübergreifend erarbeitet werden.

Das Konzept der Freien Wähler, das dem aktuellen Volksbegehren zugrunde liegt, stößt in 30. Juni 2014 allen anderen Landtagsparteien auf Ablehnung. SPD-Bildungssprecher Güll ruft deshalb zu einer gemeinsamen Lösung auf: „Springen wir über unseren Schatten und lösen wir das Problem gemeinsam.“

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