Pflege

01.05.2018

Menschen würdig pflegen

Ziele und Schwerpunkte einer guten Pflegepolitik. Von Ruth Waldmann, MdL, Vorsitzende des Arbeitskreises Gesundheit und Pflege der BayernSPD-Landtagsfraktion

Deutschland hat ein gutes Gesundheitssystem. Doch bereits heute wird deutlich, wo in Zukunft Probleme auf uns alle zukommen: Es fehlt an allen Ecken und Enden an Pflegepersonal für die zunehmend älter werdende Bevölkerung, die daheim pflegenden Angehörigen sind oftmals überfordert und Pflegeheimplätze insbesondere in der Kurzzeitpflege sind rar. Hinzu kommt der Verwaltungswust, mit dem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pflegeheimen und Krankenhäusern zusätzlich belastet sind.

Wir als SPD-Fraktion fordern menschenwürdige Lösungen für Bayern: Es darf nicht sein, dass Menschen am Ende ihres Lebens vernachlässigt werden, weil die Pflegekräfte nicht genügend Zeit für alle Patientinnen und Patienten haben! Die jüngst im Bund von der SPD durchgesetzten Pflegestärkungsgesetze sind ein Schritt in die richtige Richtung. Wir wollen auch in Bayern Verbesserungen in der Pflege erreichen.

Menschenwürdig, gerecht, bezahlbar: Das wollen wir für gute Pflege erreichen.

Selbstbestimmt leben – Aufzug statt Auszug! Wir wollen, dass die Menschen so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung leben können – auch, wenn sie pflegebedürftig werden. Wir wollen deshalb den altersgerechten und barrierefreien Aus- und Umbau von Wohnungen deutlich besser fördern. Auch alternative Wohnformen müssen gefördert werden.

Menschen würdig pflegen

Menschen würdig pflegen. Ziele und Schwerpunkte einer guten Pflegepolitik. (PDF, 869 kB)

Reha statt Pflegeheim. Altersmedizinische Reha-Maßnahmen können entscheidend dazu beitragen, Pflegebedürftigeit hinauszuzögern und zu vermindern. Wir fordern, dass auch die Pflegekasse bei Reha-Maßnahmen mitbezahlt.

Pflegekräfte verdienen mehr. Sie leisten eine für die betroffenen Menschen und für die Gesellschaft unschätzbar wertvolle Arbeit. Wir als SPD-Fraktion fordern faire Arbeitsbedingungen. Dazu gehören eine personelle Mindestausstattung in Heimen und Krankenhäusern und eine angemessene Bezahlung. Diese ist angesichts der großen Verantwortung und des Arbeitspensums zu gering. Hinzu kommen immer mehr Aufgaben und mehr Patienten. Wir als SPD-Fraktion fordern eine Mindestpersonalregelung in den Krankenhäusern und Pflegeheimen zur Entlastung der Mitarbeiter sowie eine angemessene Bezahlung. Dafür braucht es endlich einen verbindlichen Branchentarifvertrag.

Zeit ist Geld? Die Kosten, die bei der Krankenhauspflege entstehen, werden pauschal je nach Krankheit abgerechnet. Doch so unterschiedlich, wie Menschen sind, sind auch ihre Krankheitsverläufe. Durch das momentane Abrechnungssystem entstehen Fehlanreize zulasten der Patientinnen und Patienten: Teure Behandlungen und Untersuchungen können abgerechnet werden, gute Pflege und Zeit für die Menschen kaum. Dadurch besteht in vielen Kliniken ein Mangel an Pflegekräften. Wir wollen, dass Pflege im Abrechnungssystem besser berücksichtigt wird.

Man lernt nie aus. Wir wollen daher einen gesetzlichen Anspruch auf Weiterbildung auch für Pflegekräfte.

Ideen für eine menschliche Pflegepolitik

Ideen für eine menschliche Pflegepolitik (PDF, 1,68 MB)

Schwul oder lesbisch im Pflegeheim – na und? Für viele heute alte homosexuelle Menschen war es ein langer Weg, bis sie selbst und die Gesellschaft ihre sexuelle Orientierung akzeptieren konnten. In einem Pflegeheim sehen sie sich jedoch oft wieder mit Diskriminierung und alten Vorurteilen konfrontiert. Wir wollen Pflegekräfte sensibilisieren, um schwule Männer und lesbische Frauen im Pflegeheim besser zu schützen, und wir wollen eine gesetzliche Regelung zum Schutz vor Diskriminierung.

Whistleblower schützen. Der größte Teil der Pflege wird verantwortungsvoll und mit vollem Einsatz erbracht. Doch was, wenn in Pflegediensten oder Pflegeheimen Betrüger am Werk sind? Hier muss garantiert werden, dass Pflegekräfte und Angehörige, die den Mut haben Missstände aufzuzeigen, geschützt werden: Weder dürfen sie ihren Job verlieren noch der Gefahr des Mobbings ausgesetzt werden. Die Zukunft der Pflege in Bayern ist auf diese mutigen Menschen angewiesen.

Angehörige unterstützen. Klar ist: Ohne pflegende Angehörige würde das Pflegesystem kollabieren. Wir sind es ihnen schuldig, dass wir sie bestmöglich unterstützen. Dazu gehört finanzielle Unterstützung ebenso wie Beratung und Information. Auch müssen sie die Garantie haben, nach einer Auszeit oder Teilzeittätigkeit zugunsten ihrer Angehörigen wieder in den Beruf zurückzukehren. Darüber hinaus fordern wir regionale Pflegestützpunkte, die die Menschen in ihrer kräftezehrenden Aufgabe unterstützen und beraten.
Für den Fall, dass die pflegenden Angehörigen eine wichtige Auszeit nehmen wollen, müssen genügend Kurzzeitpflegeplätze zur Verfügung stehen. Hier besteht noch großer Nachholbedarf.

Pflegeversicherung reformieren. Wir wollen die Pflegeversicherung zu einer Vollversicherung wie die Krankenversicherung ausbauen. Wir wollen vermeiden, dass viele Pflegebedürftige auf Sozialhilfe angewiesen sind. Die stationäre Versorgung von Patienten ist teurer als die ambulante, doch der Wunsch vieler Patienten ist ohnehin, schnell wieder nach Hause zurückkehren zu dürfen. Um diesen Wunsch zu unterstützen, müssen die ambulanten Leistungen denen im stationären Bereich angeglichen werden.

Der Staat muss investieren. Renovierungen und Investitionen etwa in Pflegeheimen werden auf die Bewohner umgelegt. Der Staat muss hierfür mehr Geld in die Hand nehmen. Es darf nicht sein, dass nur die Wohlhabenderen unter den Pflegebedürftigen in einem sanierten und komfortablen Gebäude leben. Ebenso sieht es bei den Krankenhäusern aus: Auch hier muss der Staat mehr investieren und unterstützen. Das müssen uns unsere Patientinnen und Patienten wert sein.