Es ist allerhöchste Zeit zum Handeln: Die Krise bei den bayerischen Automobilzulieferern spitzt sich immer mehr zu – inzwischen vergeht kaum eine Woche mehr ohne Hiobsbotschaften aus der Branche, die vor allem in Franken wichtige Produktionsstätten unterhält. Die betroffenen Arbeitnehmer sind zu Recht in großer Sorge und warten dringend auf eine Initiative der Staatsregierung und vor allem auch des Wirtschaftsministeriums. Die will die Landtags-SPD nun auf den Weg bringen. „Hubert Aiwanger darf die Belegschaften nicht länger allein im Regen stehen lassen“, betont der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Florian von Brunn. Dazu ist zunächst eine Bestandsaufnahme nötig – einschließlich aller Möglichkeiten, die Arbeitsplätze zu retten. Zwei Firmen stehen für die SPD besonders im Fokus: Brose und ZF.
Rund 70 Prozent der Wertschöpfung in der Automobilindustrie werden von den Zulieferern bestritten. Sie haben derzeit gleich unter mehreren Problemen zu leiden: Die deutsche Wirtschaft schwächelt insgesamt, der Verkauf deutscher Autos geht weltweit zurück und die Umstellung auf Elektromobilität ist nur unter Schmerzen zu bewältigen. Denn viele Zulieferer sind auf Komponenten für Verbrennungsmotoren spezialisiert. „Diese Schlüsselbranche der bayerischen Wirtschaft benötigt nun die Unterstützung des Staates“, erklärt Florian von Brunn. „Wir dürfen die Arbeitnehmer nicht im Stich lassen.“ Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger aber wirkt völlig unbeeindruckt vom Schicksal einer ganzen Branche, die für den Wohlstand in Bayern enorm wichtig ist. Die Sozialdemokraten fordern, dass Unterstützungsstrategien und -konzepte ausgearbeitet werden. Gemeinsam mit der bereits im Januar vorgestellten „Bayern-Milliarde“ der SPD könnte so ein echter Zukunftsplan für Bayerns Automobilindustrie entstehen.
Dringend eingreifen muss die Staatsregierung vor allem beim Automobilzulieferer Brose in Würzburg, der nach gravierenden Managementfehlern in eine fatale wirtschaftliche Situation geraten ist. Die von der Unternehmensführung angedachte Werksschließung hätte verheerende Folgen für die gesamte Region. „Das Management hat seine Fehler durchaus eingeräumt – ausbaden aber sollen es nun die Beschäftigten“, ärgert sich der unterfränkische SPD-Abgeordnete Volkmar Halbleib. „Die Staatsregierung muss sich einschalten und umgehend Gespräche mit Geschäftsführung und Betriebsrat beginnen. Mit dem Ziel, dass Brose weiterlebt.“ Staatliches Engagement ist auch bei der ZF Friedrichshafen Automotive gefragt, deren E-Mobilitätssparte in Nordbayern angesiedelt ist. „Der Standort Schweinfurt mit seinen rund 10.000 Mitarbeitern steht vor einer existenziellen Bedrohung“, warnt Florian von Brunn. „Bayerns Auto-Industrie muss eine Zukunft haben – und da muss der Freistaat mit anpacken. Allein mit Aiwangers Steckenpferd Jagd kann unser aller Wohlstand nicht gehalten werden.“