Das Gros der Mitarbeiter ist weg, es gibt weder Betriebsgenehmigung noch Betreiber – und trotzdem lässt die Union immer wieder die Reaktivierung der deutschen Atomkraftwerke durch die Diskussion geistern. Unverantwortlich, findet der SPD-Energieexperte Florian von Brunn, der aus einer Anfrage ans Umweltministerium noch einen weiteren Schluss zieht: Die Anlagen können schon aus technischen Gründen nicht mehr in Betrieb genommen werden. Denn der Primärkreislauf in Isar 2 ist bereits im vergangenen Jahr chemisch dekontaminiert worden – ein Prozess, der eine Art Schlussstrich darstellt und Fachkreisen zufolge eine spätere Wiederinbetriebnahme ausschließt. Zudem sollen laut Medienberichten noch in diesem Jahr die Kühltürme in Gundremmingen gesprengt werden – mit Genehmigung des Umweltministeriums.
„Die Söder-Regierung beerdigt derzeit den ohnehin schon toten Gaul Atomkraft“, erklärt Florian von Brunn. „Das passiert allerdings still und heimlich. Man will nämlich nicht zugeben, dass man den Menschen im Wahlkampf ein X für ein U vorgemacht hat.“ Gefragt seien nun Ehrlichkeit und Realismus. „Die Atomkraft in Deutschland hat fertig“, erklärt von Brunn. „Und das ist auch gut so.“ Auch Experten wie Mycle Schneider, der Urheber und Mitautor des jährlich erscheinenden „World Nuclear Status Reports“ kritisieren die deutsche Debatte als völlig realitätsfremd. Die angebliche Renaissance der Atomenergie sei lediglich auf China beschränkt. Im Rest der Welt würden mehr Meiler stillgelegt als neu gebaut.
Die Anfrage von Brunns hat ergeben, dass in allen bayerischen Atomkraftwerken zahlreiche wichtige Teile bereits demontiert sind. Zudem sind in Isar 2 nur noch 220 der einst rund 450 Mitarbeiter beschäftigt. Ein maßgebliches Argument aber ist die finale Dekontamination der „stärker aktivitätsführende Systeme“, die im Kraftwerk Isar 2 bereits 2024 erfolgt ist und im (bald ohne Kühltürme dastehenden) Gundremmingen ab 2027 (Block B) beziehungsweise ab 2029 (Block C) geplant ist. Isar 1 und Grafenrheinfeld wurden bereits 2015 und 2016 dekontaminiert. „Ein Wiederanfahren ist damit nicht mehr möglich“, betont von Brunn. Nach Angaben des Umweltministeriums verbietet das Atomgesetz aber ohnehin „den Leistungsbetrieb von Kernkraftwerken in Deutschland zur gewerblichen Erzeugung von Elektrizität“.
Anfrage zu Rückbau und Reaktivierung der bayerischen Atomkraftwerke
Anlage - Sachstand Rückbau der bayerischen Atomkraftwerke (Liste)