SMR: Das bedeutet Small Modular Reactor, also ein Mini-Atomkraftwerk. Aus Sicht der SPD passt ein anderer Begriff besser: Söders Märchen Reaktor. Denn was der Ministerpräsident da kürzlich wieder in die Diskussion geworfen hat, ist „gefährlicher Hokuspokus“, warnt der SPD-Energieexperte Florian von Brunn: teuer, gefährlich, unwirtschaftlich und noch längst nicht baureif. Die SPD fordert daher im heutigen Plenum des Landtags den sofortigen Stopp aller Planungen für die Mini-Meiler. Das Geld soll stattdessen vollständig in wirklich zukunftsträchtige Technologien investiert werden: in Windkraft, Sonnenenergie, Geothermie und die passenden Speichertechnologien.
„In der gesamten westlichen Welt ist kein einziges dieser kleinen Atomkraftwerke im kommerziellen Betrieb“, betont Florian von Brunn. „Es gibt welche in China und in Russland – also in zwei Ländern, die nicht gerade für eine kritische Öffentlichkeit und gute Sicherheitsstandards bekannt sind. In Kanada läuft keiner dieser kleinen Reaktoren – auch wenn Markus Söder das wahrheitswidrig behauptet hat.“ Und: Die überwältigende Mehrheit der Wissenschaft warnt vor einer Technologie, mit der die Stromerzeugung bis zu zehnmal so teuer ist wie bei Wind und Sonne. Vorzeigeprojekte in den USA wie in Frankreich wurden daher eingestellt.
Auch sonst bleibt bei näherem Hinsehen nicht viel übrig von Söders atomarer Wundertüte: Ein SMR produziert genauso Atommüll wie große Atomkraftwerke und es benötigt höher angereichertes Uran. Es „verbraucht“ nicht etwa vorhandenen Atommüll, sondern benötigt eine großindustrielle Wiederaufbereitung , „also ein Wackerdorf 2.0“, so von Brunn „An so einer Anlage ist schon einmal ein bayerischer Ministerpräsident gescheitert.“ Zudem bräuchte Bayern mindestens 15 bis 20 Mini-Meiler, um nur die letzten drei großen Atomkraftwerke zu ersetzen. „Wenn Bürgerinnen und Bürger gegen Windräder protestieren – meinen Sie ernsthaft, die akzeptieren haufenweise Atomkraftwerke vor der Haustür?“