Profis gefragt: An Bayerns Schulen sollen sich künftig speziell ausgebildete Fachkräfte mit dem Thema Gesundheit befassen. Sie sollen zur Stelle sein, wenn eine chronisch kranke Schülerin regelmäßig Medikamente einnehmen muss oder wenn sich ein Schüler auf dem Pausenhof das Knie aufschlägt. Bislang bleiben diese Aufgaben oft Lehrkräften und Eltern überlassen. „Ob Insulin spritzen, Erste Hilfe leisten oder über Gesundheitsrisiken aufklären: Was als ‚School Nurses‘ in vielen Ländern lange bekannt ist, brauchen wir endlich auch in Bayern“, fordert die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Ruth Waldmann. „Jedes vierte Kind in Bayern ist chronisch krank. Wir wollen, dass alle die gleichen Bildungschancen erhalten.“
„Gesundheitsfachkräfte entlasten Lehrkräfte und Eltern enorm – das belegen erfolgreiche Modellprojekte in anderen Bundesländern“, berichtet Ruth Waldmann. „In Brandenburg und Hessen gaben 88 Prozent der Lehrkräfte an, dass sie nun deutlich mehr Zeit für ihre eigentliche Aufgabe haben: den Unterricht.“ Zudem würden Themen wie Ernährung, Bewegung, Alkoholkonsum oder Sexualkunde noch stärker im Schulalltag verankert. Positive Effekte auf Prävention und Inklusion werden auch in Rheinland-Pfalz oder Hamburg verzeichnet.
Darüber hinaus kann der SPD-Vorstoß laut Deutscher Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin die Gesundheitskosten auf Dauer senken. Denn systematische Schulgesundheitspflege bedeutet weniger Rettungsdiensteinsätze. In Hessen wurde seit Beginn des Modellprojekts ein Minus von 60 Prozent festgestellt – und damit eine Einsparung von bis zu 1,5 Millionen Euro. In der Folge werden auch die Notaufnahmen weniger belastet. Bei manchen Kindern mit chronischen Erkrankungen entfallen zudem die deutlich teureren individuellen Schulbegleitungen.
Damit sich die Gesundheitsversorgung auch an Bayerns Schulen verbessert, fordert die SPD-Fraktion in den laufenden Haushaltsberatungen ein Modellprojekt. Konkret sollen in einer ersten Phase an 100 Schulen Schulgesundheitsfachkräfte zum Einsatz kommen. Bei der Auswahl der Standorte will die SPD den Schwerpunkt auf Startchancen-Schulen und sozial benachteiligte Stadtteile legen.