80 Jahre Bayerische Verfassung: Das ist für die Landtags-SPD nicht nur Anlass zur Würdigung – das Jubiläum ist für Sozialdemokraten auch ein klarer Auftrag, Demokratie und soziale Gerechtigkeit entschlossen zu verteidigen. Beim traditionellen Verfassungsempfang zeichnete die SPD-Landtagsfraktion Prof. Dr. Ursula Münch mit dem Wilhelm-Hoegner-Preis 2026 aus. Die Laudatio hielt der frühere Bundespräsident Joachim Gauck. Fraktionsvorsitzender Holger Grießhammer würdigte Münchs Engagement für politische Bildung und lebendige Demokratiekultur. „Ursula Münch führt das Erbe von Wilhelm Hoegner nicht nur fort – sie entwickelt es weiter. Genau das brauchen wir heute: Haltung, Klarheit und den Mut, Demokratie aktiv zu verteidigen.“
Holger Grießhammer forderte in seiner Rede vor rund 300 Gästen im Bayerischen Landtag, gemeinsam entschieden gegen Desinformation, Polarisierung und sozialen Druck vorzugehen und sich weiter für eine starke Demokratie zu engagieren. Beispielhaft sei das Engagement von Preisträgerin Ursula Münch, die sich als Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing seit vielen Jahren für demokratische Bildung, kritisches Denken und den Kampf gegen Populismus einsetzt. „In einer Zeit, in der Falschinformationen und politische Polarisierung unsere Gesellschaft spalten, ist diese Arbeit ein unverzichtbarer Beitrag zur Stärkung unserer Demokratie. Wer den Zusammenhalt stärken will, muss in Bildung investieren und Desinformation eindämmen. Wegschauen ist keine Option“, so Grießhammer. „In der Akademie in Tutzing wird Wissen vermittelt, werden Debatten geführt und Verantwortung gelebt.“ Genau das hatte Wilhelm Hoegner im Sinn, als seine Staatsregierung die Akademie 1957 ins Leben rief.
Für Grießhammer sind eine starke Demokratie und deren Erhalt heute keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern eine Aufgabe, die unser aller Einsatz und Verantwortungsübernahme erfordert. Die Bayerische Verfassung bleibe auch nach 80 Jahren stabiler Kompass für Freiheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt: „Dieser Geburtstag ist eine Mahnung zur Wachsamkeit und ein Aufruf: gegen Hass und Hetze, gegen soziale Kälte und für ein Bayern, das zusammenhält, gegen Gleichgültigkeit und für ein Miteinander. Demokratie überlebt und lebt vom Mitmachen.“
In seiner Laudatio würdigte Bundespräsident a. D. Joachim Gauck die Preisträgerin als prägende Stimme der politischen Bildung: „Mit der Verleihung des Wilhelm-Hoegner-Preises wird in diesem Jahr Prof. Dr. Ursula Münch für ihr herausragendes wissenschaftliches und öffentliches Wirken geehrt – und für eine Haltung, die die freiheitliche Demokratie als Ordnung der Verantwortung und des Gemeinsinns versteht. Professorin Münch macht Politik verständlich, ohne sie zu vereinfachen, und öffnet damit vielen den Zugang zu demokratischen Debatten. Sie steht für klare Analyse, intellektuelle Redlichkeit und den Mut, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Wer ihr zuhört, geht selten beruhigt, aber fast immer klüger nach Hause.“
Preisträgerin Prof. Dr. Ursula Münch selbst betonte die Bedeutung der Verfassung für die Stabilität Bayerns: „Zugespitzt lässt sich feststellen: Dass die Demokratie des Freistaats Bayern die jahrzehntelange Dominanz einer Partei insgesamt gut überstanden hat, ist ein Verdienst der Verfassung – und damit auch ihres Verfassungsvaters Wilhelm Hoegner.“
Musikalisch begleitet wurde der Abend von Hans Well und seinen Wellbappn. Der Wilhelm-Hoegner-Preis wird seit 1988 von der SPD-Landtagsfraktion verliehen. Er würdigt Persönlichkeiten und Organisationen, die sich in besonderer Weise für Freiheitsrechte und demokratische Grundwerte einsetzen.