Reisen: Das ist nicht nur die schönste Zeit des Jahres. Tourismus ist auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, der wertvolle Arbeitsplätze gerade auch in strukturschwachen Regionen sichern kann. Urlaub muss für alle bezahlbar sein – und es geht dabei auch um Barrierefreiheit, Nachhaltigkeit sowie Zukunftsfähigkeit. Zu diesen Themen haben sich Tourismuspolitiker aus ganz Deutschland bei der SPD-Sprecherkonferenz im Münchner Maximilianeum ausgetauscht. Zwei Tage lang berieten sie über Chancen und Risiken des Tourismus in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten.
Barbara Radomski, Geschäftsführerin der BayernTourismus GmbH, sowie Prof. Dr. Alfred Bauer, Leiter des Bayerischen Zentrums für Tourismus (BZT), und Tourismusforscher Prof. Dr. Jürgen Schmude lieferten mit Fachvorträgen und aktuellen Forschungsergebnissen wichtige Impulse und Diskussionsgrundlagen für eine gelungene Konferenz, welche ganz im Zeichen des Austauschs und der Vernetzung stand.
Von der Alpenregion bis Ostfriesland ist Tourismus ein unverzichtbarer Motor für die regionale Wirtschaft. Unter der Konferenzleitung von Martina Fehlner, tourismuspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag, und ihrer Abgeordnetenkollegin Ruth Müller wurden aber auch aktuelle Herausforderungen im Tourismus erörtert, etwa die Tourismusfinanzierung. „In der aktuellen wirtschaftlich schwierigen Lage fehlt es den Ländern und Kommunen oft an Mitteln für wichtige Investitionen – die aber unerlässlich sind, um den Tourismus zukunftsgerichtet auszubauen“, so Ruth Müller.
Stefan Zierke, tourismuspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, unterstrich in diesem Zusammenhang die Bedeutung der im Januar verabschiedeten neuen Nationalen Tourismusstrategie. „Investitionen in Infrastruktur und Mobilität, Digitalisierung, Fachkräftesicherung und Bürokratieabbau stärken die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Tourismusbranche. Ziel ist es, gute Arbeit für die Beschäftigten in den Regionen zu sichern und einen sozial gerechten und nachhaltigen Tourismus voranzubringen.“
Die sozialen Aspekte des Tourismus liegen auch Martina Fehlner am Herzen: „Jeder Mensch hat ein Recht auf Erholung: eine alleinerziehende Mutter ebenso wie eine Familie mit wenig Geld oder ein Mensch mit Seh- oder Gehbehinderung. Umso wichtiger ist es, den Ausbau von barrierefreien, inklusiven und bezahlbaren Urlaubsangeboten noch stärker voranzutreiben.“ Einer der Punkte, die im Rahmen der Konferenz ebenfalls beraten wurden, war ein länderübergreifendes Netzwerk für bezahlbare Urlaubsangebote. Es könnte als Informationsplattform dienen, wo es preisgünstige Übernachtungsangebote wie Jugendherbergen oder Familienstätten gibt.
Auch die weiter steigende Nachfrage nach nachhaltigen Reiseangeboten stand auf der Tagungsagenda. „Urlauber möchten eine intakte Natur und gerechte soziale Strukturen vor Ort vorfinden – und sind zunehmend bereit, dafür auch mehr Geld auszugeben“, so Ruth Müller. „Das ist eine Chance für das Urlaubsland Bayern und ganz Deutschland, die wir nicht verpassen sollten. Nicht zuletzt kommt ein nachhaltig ausgerichteter Tourismus auch der Lebensqualität der einheimischen Bevölkerung zugute.“
Einig waren sich die Teilnehmenden der Konferenz darin, dass es für den Tourismusstandort Deutschland von essenzieller Bedeutung ist, die Branche auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten finanziell ausreichend auszustatten. Auch die Olympia-Bewerbung von vier deutschen Städten und Regionen wurde übereinstimmend als positiv für die Tourismusentwicklung in Deutschland eingeordnet. „Der Welt zu zeigen, dass wir Gastfreundschaft und gelebte Herzlichkeit großschreiben, wäre nicht nur eine große Ehre, sondern eine Chance auch für den Tourismus“, ist Martina Fehlner überzeugt.