Die ersten Lebensjahre sind die entscheidenden: Was hier versäumt wurde, kann so leicht nicht wieder aufgeholt werden. Umso wichtiger ist eine gute und ausreichend finanzierte Kita. Nur: CSU und Freie Wähler sind gerade dabei, die Chance für dringend notwendige Verbesserungen zu verspielen. Die aktuell laufende Reform des bayerischen Kita-Gesetzes bleibt Stückwerk, den Eltern drohen sogar zusätzliche Kosten. „Hier wird der Mangel verwaltet, statt ihn zu beheben“, kritisiert die SPD-Sozialexpertin Doris Rauscher. „Das ist völlig verantwortungslos. Denn in der Kita entscheidet sich, wie gut Sprache gelingt, wie Kinder mit besonderen Bedarfen gefördert werden und ob Chancengleichheit von Anfang an hergestellt wird.“
Eigentlich wäre jetzt die Gelegenheit, Bayerns Kitas auf einen Stand zu bringen, der ihrer Bedeutung gerecht wird – im Interesse der Familien in Bayern. „Wir brauchen mehr Qualität in den Kitas und mehr Geld im System“, betont Doris Rauscher, gelernte Erzieherin, langjährige pädagogische Leitung von Kindertageseinrichtungen und aktuell Vorsitzende des Sozialausschusses im Bayerischen Landtag. „Aber statt endlich ihrer Verantwortung für unsere Kinder nachzukommen, lässt die Staatsregierung die Eltern für die längst überfälligen Verbesserungen in den Kitas selbst zahlen. Aus den Kassen des Freistaats kommt kein einziger Cent neu ins System.“ Für die Eltern kann das fatale Folgen haben: Da die strukturelle Unterfinanzierung nicht angegangen wird und sich somit verschlimmert, dürften die Elternbeiträge in den nächsten Jahren noch weiter steigen.
Stefan Wolfshörndl, Co-Landesvorsitzender der AWO Bayern (Träger von rund 500 Kitas im Freistaat) unterstützt Rauscher in ihren Forderungen: „Wir haben drei Kernforderungen an die staatliche Kitaförderung: Erstens: Bildungsqualität verbessern. Zweitens: Einrichtungen in der Fläche erhalten. Drittens: Planungssicherheit für Träger und Eltern und Kommunen. Ob die BayKiBiG-Novelle dies erreicht, ist fraglich.“
Mit einem Forderungskatalog will die SPD zumindest die gröbsten Fehler im neuen Kita-Gesetz (BayKiBiG) abstellen. So muss der zweckgebundene Beitragszuschuss von 100 Euro, den die Staatsregierung wieder einkassieren will, nicht nur erhalten bleiben, sondern sollte sogar auf 150 Euro angehoben werden. „Kitas sind Bildungseinrichtungen, die perspektivisch gebührenfrei sein sollten – da sind 150 Euro ein guter Einstieg. Das Geld muss weiter direkt bei den Familien ankommen“, mahnt Doris Rauscher. „Auch die Beteiligungsmöglichkeiten von Eltern sollten gestärkt statt zusammengestrichen werden.“ Zudem braucht es Maßnahmen für echte Qualitätsverbesserungen und damit auch bessere Arbeitsbedingungen in den Kitas: „Zentral ist mehr Zeit für die Erzieherinnen und Erzieher, um die Kinder bestmöglich in ihrer Entwicklung zu begleiten. Dafür brauchen wir endlich eine Verbesserung beim Anstellungsschlüssel. Nur so gelingt beste Erziehung, Bildung und Betreuung von Anfang an.“
Weitere Forderungen im Detail sind hier aufgelistet.
Beitragszuschuss erhalten, erhöhen, ausweiten
Anstellungsschlüssel verbessern
Gewichtungsfaktoren gesetzlich verankern und erhöhen
Tarifstruktur im Basiswert korrekt abbilden
Kinderschutz im Gesetz erhalten
Mitwirkungsrechte der Elternbeiräte erhalten.
Landeselternbeirat demokratisch weiterentwickeln
Funktionsstellenpauschale direkt an Träger auszahlen
Rahmenbedingungen der Kindertagespflege erhalten