Studien zeigen: Sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch sind für viele Beschäftigte im Klinikalltag Realität. Laut einer Umfrage des Marburger Bundes (April 2026) hat fast jede zweite Ärztin und jeder zweite Arzt bereits Machtmissbrauch durch ärztliche Beschäftigte erlebt. Eine Studie an 44 medizinischen Fakultäten zeigt zudem: 73,5 Prozent der Studentinnen im Praktischen Jahr wurden sexuell belästigt. Die bayerischen Universitätskliniken haben bereits gute und wichtige Schritte in der Prävention unternommen. Die Landtags-SPD verlangt, die Unikliniken in ihrer Vorbildfunktion noch zu stärken und die bestehenden Konzepte weiter auszubauen. Dazu gehören verbindliche Schulungen für Führungskräfte, feste anonyme Meldestellen und eine Evaluation der Maßnahmen an allen Kliniken.
Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Ruth Waldmann, fordert von der Staatsregierung mehr Einsatz für eine verlässliche Schutz- und Führungskultur an allen Unikliniken. „Sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch dürfen im Gesundheitswesen keinen Platz haben. Wer an einer Klinik arbeitet oder lernt, muss sich sicher fühlen können. Ein respektvoller Umgang und eine verantwortungsvolle Führung sind dafür entscheidende Voraussetzungen.“
Dabei handelt es sich keineswegs um ein Problem, das vor allem in Bayern oder im Besonderen an Unikliniken auftritt. Aber: Durch ihre besondere Rolle in Hinblick auf Versorgung, Forschung und Lehre haben Universitätskliniken eine besondere Verantwortung. Sie bilden den medizinischen Nachwuchs aus und prägen damit die Arbeitskultur im gesamten Gesundheitswesen. Waldmann will Universitätskliniken daher in ihrer Vorbildfunktion stärken und zeigen, wie wirksamer Schutz vor Machtmissbrauch gelingen kann. „Unsere Unikliniken gehen mit gutem Beispiel voran – alle anderen Kliniken könnten davon lernen“, sagt Waldmann.
Die SPD fordert daher verpflichtende Schulungen für Führungskräfte ab der Ebene der Oberärztinnen und Oberärzte einzuführen. Ziel soll es sein, Führungskompetenz zu stärken, Grenzüberschreitungen frühzeitig zu verhindern und faire Arbeits-, Weiterbildungs- und Personalstrukturen sicherzustellen.
Zudem sollen an allen Universitätskliniken dauerhaft anonyme Meldewege im Rahmen eines verantwortungsvollen Beschwerdemanagements für Fälle von Machtmissbrauch und sexueller Belästigung geschaffen werden. Nur so können Betroffene Vorfälle melden, ohne negative persönliche Konsequenzen fürchten zu müssen. Die SPD fordert außerdem eine regelmäßige Befragung aller Beschäftigten, um die Bekanntheit und Wirksamkeit bestehender Präventionsmaßnahmen zu überprüfen.
Waldmann: „Wo Macht missbraucht wird, müssen Strukturen verändert werden. Unsere Universitätskliniken kommt dabei eine besondere Verantwortung zu. Unser Ziel sind Universitätskliniken, an denen Sicherheit, Verantwortung und ein fairer Umgang selbstverständlich sind. Davon können auch alle anderen Akteure im Gesundheitswesen lernen und profitieren.“