Sie stecken in Outdoorjacken, Pfannen, Verpackungen genauso wie in Feuerlöschschäumen: die Ewigkeitschemikalien PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen). Einmal in die Umwelt gelangt, bauen sich PFAS kaum ab, sondern reichern sich in Böden, Grund- und Oberflächengewässern an. Für den Mensch kann das gefährlich werden, denn viele PFAS sind krebserregend. Da in Bayern inzwischen zahlreiche Regionen stark belastet sind, will die Landtags-SPD gegensteuern: Sie fordert einen PFAS-Plan mit klaren Regeln, mehr Unterstützung für betroffene Kommunen und einem Konzept für Sanierung und Entsorgung.
„PFAS sind ein massives Umweltproblem, das immer schlimmer und teurer wird, wenn man es weiterhin ignoriert. Die Staatsregierung braucht endlich einen klaren Plan, wie mit den gefährlichen Chemikalien umgegangen werden soll – Städte und Gemeinden dürfen nicht länger mit dem Problem allein gelassen werden. Wir müssen belastete Böden sanieren, Kommunen finanziell unterstützen und die Menschen endlich schützen,“ betont die stellvertretende Fraktionsvorsitzende und umweltpolitische Sprecherin Anna Rasehorn heute auf einer Pressekonferenz in München.
Altötting, Manching, Grafenwöhr, Burgkirchen und Friedberg – nur einige der Orte im Freistaat, in denen Böden und Gewässer besonders durch PFAS belastet sind und zu einer immer größeren Gefahr für Mensch und Umwelt werden. PFAS sind inzwischen überall in der Umwelt nachweisbar – auch fernab bekannter Quellen wie Industrieanlagen, Flughäfen oder Brandplätzen.
Für betroffene Kommunen ist die Sanierung von Böden und Gewässern eine enorme Herausforderung: Trinkwasser muss aufwendig aufbereitet, belasteter Boden ausgehoben und teilweise über Jahre hinweg saniert werden. Gleichzeitig fehlt es an klaren Regeln für die Zwischenlagerung und Entsorgung. „Die Kommunen können diese Aufgabe nicht allein stemmen. Wenn PFAS-belastetes Material anfällt, muss klar sein: Wohin damit? Wer bezahlt? Und wer trägt die Verantwortung? Bayern muss jetzt Geld für die Sanierung bereitstellen, Rechtssicherheit schaffen und dafür sorgen, dass belastetes Material sicher entsorgt werden kann,“ sagt Rasehorn.
Besonders deutlich wird das Problem an der PFAS-belasteten Ach in Friedberg. Bevor die Sanierung beginnen und der breiige Gewässeraushub überhaupt entsorgt werden kann, muss er getrocknet werden. Lange war nicht klar, wie das funktionieren soll. Mittlerweile gibt es eine Lösung für Friedberg – aber andere Kommunen haben bislang weniger Glück. Roland Eichmann, Bürgermeister von Friedberg, mahnt Lösungen für alle betroffenen Kommunen an: „Ähnlich wie im Bereich der Altlasten benötigen wir Kommunen das direkte und unkomplizierte Engagement des Freistaats. Denn auch hier handelt es sich um Probleme, die nicht durch die Kommunen verursacht wurden und deren Bewältigung nicht allein kommunal zu stemmen ist.“
Auch der Landesfischereiverband Bayern warnt seit Jahren vor den Folgen der PFAS-Belastung. Sollten Verzehrwarnungen für belastete Fische auftreten, könnte dies zu einem ernstzunehmenden Problem für die Fischerei in Bayern werden. Johannes Schnell vom Landesfischereiverband Bayern warnt: „Es gilt, Strategien zu entwickeln, unsere Gewässer vor Schadstoffbelastungen wie PFAS zu schützen. Gleichzeitig müssen auch Maßnahmen ergriffen werden, um in belasteten Gebieten weiterhin eine Bewirtschaftung zu ermöglichen.“
Der bayerische SPD-Landesvorsitzende und wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Roloff, verweist auf die Bundes- und EU-Ebene: Die europäische Chemikalienagentur ECHA prüft derzeit ein mögliches PFAS-Verbot, eine Entscheidung der EU-Kommission wird Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet. „Bayern kann die Sanierung vor Ort organisieren, aber die Regulierung entscheidet sich in Brüssel und Berlin. Dort brauchen wir eine PFAS-Regulierung mit Augenmaß: klare Verbote, wo es Alternativen gibt, verlässliche Übergangsfristen, wo es sie noch nicht gibt – und eine Chemieindustrie, die in Europa bleibt, statt dass wir am Ende alles aus Asien importieren,“ so Roloff.
Hintergrund:
Viele PFAS sind nachweislich krebserregend. Sie stehen im Verdacht, unter anderem das Immunsystem, den Cholesterinspiegel und den Hormonhaushalt, die Fortpflanzung die Schilddrüse und das Geburtsgewicht bei Neugeborenen zu beeinträchtigen. Wie gravierend die gesundheitlichen Folgen sein können, zeigt eine Studie des Nordischen Ministerrats: Sie bringt europaweit rund 12.000 Todesfälle mit PFAS-Belastungen in Verbindung und geht von einer immensen finanziellen Belastung des Gesundheitswesens aus.
In ihrem Antragspaket fordert die Landtags-SPD fünf konkrete Schritte:
Kommunen mit einem Hilfsprogramm finanziell und rechtlich unterstützen. Ein Sanierungs- und Unterstützungsfonds soll Kommunen entlasten und Geld für die Trinkwasseraufbereitung bereithalten. Zudem soll die Sanierung von Böden und Gewässern frühzeitig geplant und die Beseitigung des kontaminierten Materials geregelt werden.
Klare Regeln und Rechtssicherheit beim Umgang mit belastetem Gewässeraushub. Friedberg zeigt, wie kompliziert die Praxis ist. Kommunen brauchen rechtssichere Vorgaben für Entwässerung, Zwischenlagerung, Beprobung, Verwertung und Entsorgung belasteter Sedimente – damit notwendiger Gewässer- und Hochwasserschutz nicht an ungeklärten Zuständigkeiten scheitert.
Bayern muss die Entsorgung PFAS-belasteter Materialien sicherstellen. Für hochbelastete Böden und Sedimente fehlen geeignete Entsorgungswege. Deshalb braucht Bayern ein bayernweites Entsorgungskonzept und ausreichende Kapazitäten – einschließlich geeigneter Verfahren für PFAS-haltige Abfälle.
Der Freistaat muss Verantwortung übernehmen, wo Kommunen überfordert sind. Die Staatsregierung muss die Verantwortung für den Unterhalt und die Sanierung von Gewässern 3. Ordnung in PFAS-belasteten Regionen von den Kommunen auf den Freistaat übertragen. Dafür brauchen Wasserwirtschaftsämter mehr Geld und Personal. Das schafft Klarheit und sorgt dafür, dass hochkomplexe Aufgaben von Fachbehörden mit der nötigen Ausstattung übernommen werden. Die Friedberger Ach zeigt konkret, warum die heutige Aufgabenverteilung an ihre Grenzen kommt.
Gesundheitliche Folgen langfristig untersuchen. Die SPD fordert eine bayerische Langzeitstudie mit Humanbiomonitoring von PFAS in Trinkwasser und in regionalen Lebensmitteln in besonders betroffenen Regionen. Trinkwasser und regionale Lebensmittel sollen regelmäßig untersucht und die Ergebnisse transparent veröffentlicht werden.