Wenn Kinder krank sind, brauchen sie ihre Eltern. Familien haben derzeit Anspruch auf 15 Kinderkrankentage im Jahr, um sich um ihre Sprösslinge zu kümmern. Ab 2027 sollen die auf 10 Tage pro Kind und Elternteil gekürzt werden. Die Augsburger SPD-Abgeordnete Anna Rasehorn sieht darin neue Belastungen auf die ohnehin gebeutelten Familien zukommen. Zuletzt waren wichtige Zuschüsse wie Krippengeld, Familiengeld und der Kindergartenzuschuss gestrichen worden. Rasehorn fordert von der Staatsregierung, sich im Bund für den Erhalt der 15 Tage einzusetzen. „Wer wie der Ministerpräsident eine ‚Fast Lane‘ für Familien verspricht, darf ihnen nicht gleichzeitig die Zeit nehmen, die sie für ihre kranken Kinder brauchen“
In einem Dringlichkeitsantrag für die heutige Plenarsitzung (30.9.) fordert Anna Rasehorn von CSU und Freien Wählern, Familien besser zu unterstützen und einen Anspruch auf 15 Kinderkrankentage auf Dauer gesetzlich festzuschreiben. „Bayern soll kinderfreundlicher werden – dieses Versprechen hat die Union selbst abgegeben. Was sie auf Bundesebene tut, bewirkt genau das Gegenteil und belastet Familien zusätzlich. Die Staatsregierung muss ihren Worten Taten folgen lassen und sich für den Erhalt der 15 Tage einsetzen. Kranke Kinder brauchen ihre Eltern zu Hause.“ Dafür braucht es aus Sicht der SPD-Politikerin auch eine Arbeitskultur, in der beide Elternteile ihre kranken Kinder problemlos, gleichberechtigt und ohne berufliche Nachteile betreuen können. „Hier ist noch viel Luft nach oben“, sagt die zweifache Mutter.
Gesetzlich versicherte Eltern haben derzeit Anspruch auf 15 Kinderkrankentage pro Kind und Elternteil, Alleinerziehende auf 30 Tage, sofern das Kind das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Die Regelung wurde seit 2024 wiederholt verlängert, zuletzt für 2026. Die Bundesregierung begründete dies ausdrücklich mit dem weiterhin hohen Krankheitsstand bei Kindern, insbesondere durch Atemwegserkrankungen.
„Die jetzige Regel als bloße ‚Corona-Sonderregel‘ abzutun, geht an der Lebensrealität vieler Familien gehörig vorbei“, betont Rasehorn. „Kranke Kinder brauchen Ruhe und die Zuwendung ihrer Eltern. Eine Kita-Gruppe oder Schulklasse kann keine angemessene Betreuung für ein krankes Kind leisten. Das gilt erst recht für Familien mit chronisch kranken Kindern.“
Die Kürzung würde vor allem Mütter treffen. Laut AOK übernehmen Frauen den Großteil der Kinderkrankentage. Auch wirtschaftlich ist die geplante Streichung der Tage kontraproduktiv. Sind sie ausgeschöpft, besteht die Gefahr, dass kranke Kinder trotzdem in Kita oder Schule gehen, weitere Kinder und Beschäftigte anstecken und zusätzliche Ausfälle in Einrichtungen und Betrieben verursachen. „Kürzere Kinderkrankentage lösen kein Problem – sie verlagern es. Kranke Kinder in der Kita oder Schule gefährden andere Menschen und führen am Ende zu noch mehr Ausfällen.“