Gehörlose Kinder wurden Jahrzehnte lang an bayerischen Schulen gewaltsam zum Sprechen gezwungen. Heute fand dazu auf Initiative der Landtags-SPD ein Fachgespräch mit Betroffenen statt.
Dazu kommentiert die Vorsitzende des Sozialausschusses Doris Rauscher: "Es ist wichtig, dass wir mit unserem Antrag das Thema der Gebärdensprachverbote ins Parlament geholt haben. Das Fachgespräch ist ein wichtiger erster Schritt in der Aufarbeitung der Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen gehörloser Menschen. Besonders berührt hat mich der eindrückliche Bericht eines Betroffenen, der bis heute unter den Folgen seiner Schulzeit leidet. Das Fachgespräch hat deutlich gemacht: Wir müssen die deutsche Gebärdensprache von der Kita bis in die Uni etablieren. Ebenso wichtig ist es, dass wir die strukturelle Unterversorgung mit Dolmetschern angehen. Ich kann heute versprechen: Dieses Fachgespräch wird politischen Nachhall haben."
Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD, Ruth Waldmann, sagt: "Die Gebärdensprache muss nicht nur im Bildungsbereich gestärkt werden. Es braucht dringend bessere Zugänge zur psychotherapeutischen Versorgung in Deutscher Gebärdensprache - nicht nur, aber gerade auch für diejenigen, die in ihrer Schulzeit Traumatisches erlebt haben. Die Sachverständigen haben heute außerdem deutlich gemacht, dass viele Ärztinnen und Ärzte zu wenig über die Entwicklung gehörloser Kinder informiert sind und Eltern daher falsch beraten könnten. Dieses Thema müssen wir fraktionsübergreifend angehen."
Zurückzuführen lässt sich der Umgang mit Gebärdensprache auf den Internationalen Taubstummenlehrer-Kongress in Mailand im Jahr 1880, an dem fast ausschließlich hörende Lehrkräfte teilnahmen. Damals wurde die Lautsprache als „reine Artikulationsmethode“ befürwortet. Über 120 Jahre lang prägte dieser Beschluss den Unterricht in Bayern. Im Jahr 1891 wurden dieser im bayerischen Lehrplan noch mal bestätigt. Dieser ließ nur das gesprochene Wort als Unterrichtsmittel zu.