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07.09.2017

Mehr Abiturienten für Ausbildungsberufe begeistern

SPD-Bildungsexperte Martin Güll will Berufsorientierung ab der 8. Klasse zum Standard machen - Lehrlingsmangel mit Gymnasiasten bekämpfen

Angesichts der immer größeren Zahl von Abiturienten in Bayern und des gleichzeitigen Mangels an Auszubildenden macht sich der SPD-Bildungspolitiker Martin Güll für mehr Berufsorientierung an den Gymnasien stark. „Es muss nicht jeder Abiturient auch studieren. Die Abbrecherquote an den Hochschulen liegt bei 30 Prozent. Wenn es uns gelingt, diese jungen Menschen rechtzeitig für einen Ausbildungsberuf zu begeistern, ist allen geholfen.“

Der Vorsitzende des Bildungsausschusses des Bayerischen Landtags sieht in den Abiturienten enormes Potenzial für die Nachfrage der heimischen Industrie und Gewerbebetriebe nach Auszubildenden. „Derzeit beginnen aus den aktuellen Jahrgängen von 100 Absolventen des Gymnasiums oft nur zwei bis drei junge Leute eine duale Ausbildung. Im letzten Jahr haben nach Auskunft des Kultusministeriums 40.000 junge Menschen in Bayern die Allgemeine Hochschulreife erworben. Wenn man nur ein Viertel davon für eine Berufsausbildung gewinnen könnte, würde der Fachkräftemangel spürbar kleiner.“ Derzeit sind nach Angaben der Jobcenter noch rund 30.000 Lehrstellen unbesetzt.

Güll fordert eine staatliche Informationskampagne über die Vorteile einer Berufsausbildung. „Viele Eltern wissen gar nicht, welche hervorragenden Zukunftsperspektiven Ausbildungsberufe bieten. Immerhin sind berufliche Meisterabschlüsse einem Bachelor-Studienabschluss ebenbürtig.“ Der SPD-Bildungspolitiker will zudem ein Gesamtkonzept für die Berufsorientierung in allen Schularten ab der 8. Jahrgangsstufe einführen. Derzeit würden die Jugendlichen am Gymnasium kaum auf die Möglichkeiten der beruflichen Ausbildung hingewiesen.

Als wichtigste Maßnahme, um die Attraktivität der Mittel-, Real- und Berufsschulen zu stärken, sieht Güll eine zuverlässige Unterrichtsversorgung. „Der Unterrichtsausfall an den Berufsschulen ist von 7,6 auf 9,6 Prozent gestiegen. Das darf nicht sein. Diejenigen, die sich für eine duale Ausbildung entscheiden, müssen Top-Qualität im Ausbildungsberuf und an der Berufsschule bekommen.“

Voraussetzungen dafür seien eine bessere finanzielle Ausstattung der Schulen und eine bessere Lehrerbedarfsplanung im Ministerium. Güll kritisiert, dass es dem Kultusministerium seit Jahrzehnten nicht gelingt, die Zahl der Lehramtsstudenten und die jeweiligen offenen Stellen in den unterschiedlichen Schularten aufeinander abzustimmen. „Wir müssen deshalb auch über eine Reform der Lehrerausbildung nachdenken. In den ersten Semestern könnten alle künftigen Lehrkräfte gemeinsam ausgebildet werden und sich erst später auf bestimmte Schularten spezialisieren.“

Material:

Anfrage zu Schulabschlüssen - Tabelle (PDF, 23 kB)

Martin Güll

Vorsitzender des Bildungsausschusses im Bayerischen Landtag und bildungspolitischer Sprecher der BayernSPD-Landtagsfraktion

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