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16.07.2018

Altersarmut in Bayern stark gestiegen

SPD-Anfrage zeigt: 450.000 Menschen über 65 Jahre armutsgefährdet – Fast jede fünfte Frau betroffen – Sozialpolitikerin Doris Rauscher fordert Entlastung bei Alltags- und Wohnkosten und zügige Verbesserungen bei der Rente

Rund 280.000 Frauen und 170.000 Männer über 65 Jahre sind im Freistaat von Armut bedroht. Das geht aus der Antwort der bayerischen Staatsregierung auf eine aktuelle Anfrage (PDF, 78 kB) der SPD-Landtagsfraktion hervor. Die Armutsgefährdungsquote dieser Bevölkerungsgruppe liegt somit bei 17,6 Prozent (Stand 2016). Mit 19,7 Prozent ist sogar fast jede fünfte über 65-jährige Frau betroffen, bei den Männern beläuft sich die Quote auf 15,0 Prozent.

Diese Zahlen bedeuten zugleich einen spürbaren Anstieg der Altersarmut in Bayern: So ist die Armutsgefährdungsquote der älteren Bevölkerung zwischen 2006 und 2016 insgesamt um 3,5 Prozentpunkte gestiegen, die der älteren Frauen um 3,9 Prozentpunkte und die der älteren Männer um 3,1 Prozentpunkte.

Zudem liegt inzwischen in drei der sieben bayerischen Regierungsbezirke die Armutsgefährdung in dieser Altersgruppe bei über 20 Prozent, und zwar in Unterfranken (20,7 Prozent), Niederbayern (20,5 Prozent) und der Oberpfalz (20,2 Prozent).

Zur Erläuterung: Die Zahlen der Staatsregierung zur Armutsgefährdung orientieren sich am bundesweiten Median (Mittelwert) der sogenannten Nettoäquivalenzeinkommen. Als armutsgefährdet gilt demnach, wer weniger als 60 Prozent dieses Medianeinkommens hat. Für Personen über 65 Jahre liegt es aktuell bei etwa 1.400 Euro, die Armutsgefährdungsschwelle folglich bei 840 Euro.

Angesichts dieser Zahlen fordert SPD-Sozialpolitikerin Doris Rauscher, ältere Menschen in Bayern verstärkt bei Alltags- und Lebenshaltungskosten zu entlasten und die im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vereinbarten Verbesserungen bei der Rente zügig umzusetzen. „Die geplante Absicherung der gesetzlichen Rente auf heutigem Niveau bis 2025 und die Einführung einer Grundrente tragen entscheidend dazu bei, die Alterssicherung zukunftsfähig zu gestalten. Damit sorgen wir für mehr Sicherheit im Alter und Respekt vor der Lebensleistung älterer Menschen.“ Deshalb gehe es nun darum, dass sich alle Koalitionspartner auf Bundesebene konstruktiv an der Umsetzung dieser Maßnahmen beteiligen.

Auf Landesebene mahnt Rauscher insbesondere in den Bereichen Wohnen und Mobilität Reaktionen an: „Wohnen wird im Freistaat mehr und mehr zur Armutsfalle. Es kann nicht sein, dass Menschen, die teilweise seit Jahrzehnten in einer Wohnung gelebt haben, dort 'herausrenoviert' werden und ihre Heimat verlassen müssen, weil sie sich ihre Miete nicht mehr leisten können. Der Freistaat muss hier schleunigst entgegensteuern und beispielsweise die Sozialbindung von gefördertem Wohnraum verlängern.“

Zur Verbesserung der Mobilität von Seniorinnen und Senioren macht sich Rauscher außerdem für die Einführung eines Bayerischen Seniorentickets stark. Darüber hinaus müsse der Zugang zu Kultur-, Freizeit- und Gesundheitsangeboten sichergestellt und entsprechend staatlich gefördert werden. Ein entsprechender SPD-Antrag (PDF, 214 kB) war diese Woche im Landtag von der CSU-Mehrheitsfraktion abgelehnt worden.

Die Themen Rente, Wohnen und Mobilität stehen auch im Mittelpunkt des Fachgesprächs „Gut leben im Alter“, das die SPD-Fraktion am 19. Juli 2018 ab 14:30 Uhr im Konferenzsaal des Bayerischen Landtags veranstaltet.

Material:

Doris Rauscher

Stv. Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit und Soziales, Jugend, Familie und Integration des Bayerischen Landtags

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