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08.11.2018

Als Bayern rot war!

SPD-Landtagsfraktion feiert 100. Geburtstag des Freistaats mit einer szenischen und musikalischen Lesung

„In den 100 Tagen Revolution gab es mehr Ideen als in 50 Jahren vorher“, schrieb der Schriftsteller Heinrich Mann über die Geburtsstunde der bayerischen Demokratie im November 1918 und die Monate danach. Der unabhängige Sozialdemokrat Kurt Eisner rief in der Nacht vom 7. auf den 8. November 1918 den Freistaat Bayern aus und führte das allgemeine und das Frauenwahlrecht ein, den Achtstundentag, Arbeitnehmerrechte sowie Arbeitsschutz, die Arbeitslosenversicherung und etliches mehr.

In der Rede von Markus Söder zum offiziellen Festakt der Staatsregierung zum 100. Geburtstag des Freistaats kam der Name des ersten bayerischen Ministerpräsidenten gar nicht vor. Die SPD-Landtagsfraktion aber widmete dem oft verkannten Revolutionär einen Abend mit einer musikalischen Lesung von Hans Well und den Wellbappn, gesprochen von Maria Peschek, Gisela Schneeberger, Bernhard Butz und Gert Heidenreich.

Rotes Bayern - eine musikalische Lesung
Rotes Bayern - musikalische Lesung
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Der neue SPD-Fraktionschef Horst Arnold erinnerte in seiner Einführung an die Herausforderungen, die die Demokratie heute bestehen muss: Die Wahlerfolge populistischer Parteien seien ein Alarmsignal und zeigten, dass die Demokratie bedroht ist. „Viele Menschen glauben nicht mehr an das Versprechen, das ihnen das demokratische Wahlrecht gibt – nämlich über ihr Schicksal mitentscheiden zu dürfen“, sagte Arnold. Es müsse darum gehen, das Vertrauen der Menschen wiederzugewinnen.

Rotes Bayern - der SPD-Fraktionsvorsitzender Horst Arnold begrüßte die Gäste
Rotes Bayern - der SPD-Fraktionsvorsitzender Horst Arnold begrüßte die Gäste
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Hatten die Menschen vor 100 Jahren Vertrauen oder waren sie nur getrieben von Hunger und Verzweiflung in einem desaströsen Weltkrieg? Hans Well und die Wellbappn zeichneten die Revolutionstage mit zeitgenössischen Liedern und Texten und einer fiktiven Führung durch das Haus der Bayerischen Geschichte, in dem die Revolution nur im hintersten Winkel Platz gefunden hat.

Beobachtungen von Zeitzeugen wie Lion Feuchtwanger, Oskar Maria Graf und Victor Klemperer schaffen ein warmherziges Bild Eisners. Klemperer schreibt über ihn: „Der Witz ersetzt ihm fast immer das Pathos. Und ihm wird immer mit dankbarem Jubel quittiert.“

Rotes Bayern - volles Haus bei der musikalischen Lesung im Senatssaal des Bayerischen Landtags
Rotes Bayern - volles Haus bei der musikalischen Lesung im Senatssaal des Bayerischen Landtags
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Hans Well und die Wellbappn ließen die Revolution aufleben: Sie erzählten, wie am 7. November 1918 Mehrheitssozialdemokraten und Unabhängige Sozialdemokraten, Erhard Auer und Kurt Eisner, zur Massenkundgebung auf der Theresienwiese aufriefen. Revolutionäre stürmten die Kasernen, die Soldaten schlossen sich ihnen an. Die Republik wurde ausgerufen, ohne dass ein Tropfen Blut vergossen wurde. „Bayern ist fortan ein Freistaat“, heißt es in der Proklamation der Revolutionsnacht. Kurt Eisner wurde Ministerpräsident.

Well
Hans Well an der Gitarre
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Doch Eisner konnte sich bei den Landtagswahlen am 12. Januar 1919 nicht behaupten. Das Ergebnis war vernichtend. Nur drei Abgeordnete der USPD zogen in den Landtag ein. Es entstand Unruhe in der Bevölkerung, Gerüchte machten die Runde und Morddrohungen gegen Eisner häuften sich. Schließlich wurde Eisner auf dem Weg in den Bayerischen Landtag, wo er seinen Rücktritt verkünden wollte, ermordet. 100.000 Menschen reihten sich in den Trauerzug fünf Tage später ein.

Rechtsgerichtete Kräfte richteten in den nächsten Monaten bei der Niederschlagung der Revolution ein Blutbad an. Auch das schilderte das großartige Revolutionshörspiel anrührend und erschreckend zugleich. Die über 300 Gäste erhoben sich zum Applaus. Darunter waren auch die SPD-Abgeordneten Florian von Brunn, Harald Güller, Volkmar Halbleib, Natascha Kohnen und Markus Rinderspacher.

Rotes Bayern - die Künstler wurden vom Publikum begeistert gefeiert
Rotes Bayern - die Künstler wurden vom Publikum begeistert gefeiert
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Noch mehr Fotos von der Veranstaltung gibt es hier.

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