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03.12.2018

100 Euro Zuschuss für die Kita sind nicht die versprochene Kostenfreiheit

Vorsitzende des Sozialausschusses Rauscher: Freie Wähler knicken bei gebührenfreien Kitas ein – Familienpolitik der schwarz-orangen Koalition ist mutloses Stückwerk

Die Vorsitzende des Sozialausschusses im Bayerischen Landtag, Doris Rauscher, kritisiert die heutigen (3. Dezember) familienpolitischen Beschlüsse des bayerischen Kabinetts: „Eine pauschale Bezuschussung des Kita-Besuches mit 100 Euro pro Monat wird der Situation in Bayern nicht gerecht: Denn die Unterschiede in der Gebührenhöhe sind eklatant! Gerade in Ballungsgebieten zahlen Eltern teilweise bis zu 750 Euro Krippengebühren. Leider ist die schwarz-orange Koalition aber nicht zum großen sozialpolitischen Wurf bereit, sondern beschränkt sich auf mutloses Stückwerk.“

Rauscher verlangt eine vollständige Gebührenfreiheit: „Denn nur so stellen wir den Zugang zu Bildung für alle Kinder sicher – und geben ihnen damit die gleichen Startchancen, unabhängig von Wohnort, Herkunft oder Geldbeutel der Eltern.“ Es sei völlig unverständlich, dass die Freien Wähler bei dieser Kernforderung eingeknickt seien. Noch im September hatte deren Landesvorsitzender Hubert Aiwanger getönt: „Was nutzen mir in der Stadt 250 Euro Familiengeld, wenn ich 750 für die Krippe zahle?“ Er müsse sich nun fragen lassen, warum er diesen gewichtigen Einwand inzwischen offenbar vergessen habe und mit den 100 Euro Kita-Zuschuss das Stückwerk weiterführe.

Auch eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Personalsituation in den bayerischen Kitas nehme die Staatsregierung fatalerweise kaum in den Blick. „Der Koalitionsvertrag geht hier über Absichtserklärungen kaum hinaus“, erläutert Rauscher. Dabei bestehe dringender Handlungsbedarf: Denn laut Bertelsmann-Stiftung zeigt sich zum Beispiel in bayerischen Krippen das bundesweit größte Qualitätsgefälle zwischen den Wohnorten. So musste im Jahr 2017 eine Krippenfachkraft in den Landkreisen Hof und Coburg (1 zu 4,7) rein rechnerisch zwei Kinder mehr betreuen als im Landkreis Rosenheim (1 zu 2,7).

Rauscher fordert deshalb: „Der Freistaat muss die Kitas deutlich stärker finanziell unterstützen, damit sie möglichst individuelle Betreuung anbieten können, aber er muss auch die sozialen Berufe insgesamt attraktiver gestalten. Dafür brauchen wir allen voran einen "Pakt für anständige Löhne" und verlässliche, kostenlose und praxisorientierte Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten."

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