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09.10.2019

Landtag ebnet den Weg zur sarglosen Bestattung

SPD-Abgeordneter Taşdelen: Historischer Tag für Muslime und Juden in Bayern

„Ein historischer Tag für alle muslimischen und jüdischen Menschen in Bayern“ – so kommentiert der integrationspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Arif Taşdelen den heutigen Beschluss des Ausschusses für Kommunale Fragen des Bayerischen Landtags. Der Ausschuss nahm einen Antrag an, der eine Überarbeitung der Bestattungsverordnung dahingehend vorsieht, eine sarglose Erdbestattung in religiös und weltanschaulich begründeten Fällen künftig möglich zu machen.

Für Taşdelen ein bedeutender Fortschritt in der bayerischen Integrationspolitik und ein Signal der Anerkennung und Wertschätzung für andere Religionsgemeinschaften: „Wir zeigen damit, dass beispielsweise Muslime und ihre Lebenswirklichkeit zu Bayern gehören. Das war längst überfällig.“

Jahrelang kämpften Taşdelen und die SPD für die Abschaffung der Sargpflicht: „Wir können von einem ersten Schritt hin zur sarglosen Bestattung reden. Das unermüdliche Bohren dicker Sargbretter hat sich endlich gelohnt“, sagt er.

Die Bestattungsverordnung soll künftig sarglose Erdbestattungen in religiös und weltanschaulich begründeten Fällen ermöglichen. Dazu Taşdelen: „Ein wichtiger Schritt. Aber warum können wir die Sargpflicht nicht komplett beerdigen? Der Wunsch nach alternativen Bestattungsformen gilt nicht nur für Muslime, sondern auch für Christen. Wir sollten Politik für alle Menschen im Freistaat machen, nicht nur für die Sargindustrie.“ Kritisch sieht der Abgeordnete zudem, dass die Staatsregierung die Verantwortung auf die Friedhofsträger schiebt.

Taşdelen will weiter für eine vollständige Abschaffung der Sargpflicht kämpfen: „Bayern hat beim Thema Sargpflicht lange genug hinterm Mond gelebt. Jeder Mensch sollte selbst entscheiden können, wie er die letzte Ruhe findet.“

Hintergrund: Die SPD setzt sich seit Jahren für die Abschaffung der Sargpflicht ein. Bereits 2009 thematisiere sie die Beerdigungspraktiken muslimischer Mitbürger in Bayern. 2011 legte sie einen Gesetzentwurf zur Abschaffung der Sargpflicht vor. 2015 forderte sie in ihrem Gesetzentwurf für ein Bayerisches Partizipations- und Integrationsgesetz erneut die Abschaffung der Sargpflicht. 2017 und 2019 folgten weitere Gesetzentwürfe der SPD-Landtagsfraktion zur Abschaffung der Sargpflicht. Die Staatsregierung hatte allen Vorstößen der SPD eine Absage erteilt.

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