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13.10.2020

In bayerischen Krankenhäusern fehlt es an Barrierefreiheit

Morgen (14.10.) Fachgespräch im Landtag - Alle Formen der Behinderung berücksichtigen - Kriterienkatalog entwickeln - Feste Ansprechperson im Krankenhaus

Die Sprecherin für Menschen mit Behinderung Ruth Waldmann und die Vorsitzende des Sozialausschusses Doris Rauscher sehen Nachholbedarf bei der Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung in Krankenhäusern. Vor dem gemeinsamen Fachgespräch "Menschen mit Behinderung im Krankenhaus" des Gesundheits- und Sozialausschusses morgen (14. Oktober, 11.30 bis 13.30 Uhr, Plenarsaal des Bayerischen Landtags) sagt Waldmann: "Der Aufenthalt im Krankenhaus ist für Menschen mit einer Behinderung eine besondere Herausforderung. Es ist eine ungewohnte Situation, auf die weder sie selbst noch das Krankenhaus eingestellt sind. Je nach Behinderung kann die Behandlung mehr Zeit in Anspruch nehmen. Das muss möglich sein." Waldmann fordert die Staatsregierung und die bayerische Krankenhausgesellschaft auf, einen Kriterienkatalog für Barrierefreiheit im Krankenhaus zu entwerfen.

Die Vorsitzende des Sozialausschusses Rauscher richtet den Blick besonders auf Menschen mit geistiger Behinderung und will eine feste Vertrauensperson für Hilfsbedürftige in Kliniken: "Menschen mit Handicap sollen nicht hilflos und allein sein. Am besten wäre es, den Kontakt gleich bei der Aufnahme herzustellen", erklärt Rauscher. Die Sozialpolitikerin regt zudem an, die adäquate Begleitung von Menschen mit Behinderung auch in die Lehrpläne für die Pflegeausbildung aufzunehmen.

Barrierefreiheit wird ganz unterschiedlich ausgelegt: Zwar haben inzwischen fast alle Krankenhäuser einen stufenlosen Zugang und barrierefreie Toiletten, doch der Barrierefreiheit sollten alle vorkommenden Behinderungsarten zugrunde liegen. "Eine Rampe für den Rollstuhl reicht heute nicht mehr. Wir müssen an kognitiv eingeschränkte Personen ebenso denken wie an Sehbehinderte. Alle sollen sich in der Klinik wohlfühlen und zurechtfinden", stellt Waldmann fest. Konkret geht es um Verbesserungen in Patientenzimmern, zum Beispiel mit Haltegriffen und rutschfesten Fliesen oder um ein Blindenleitweg- und Fluchtwegleitsystem für Menschen mit Sehbehinderung.

In Bayern leben zwölf Prozent der Menschen mit einer Behinderung, neun Prozent sind schwerbehindert. Nach Artikel 25 der UN-Behindertenrechtskonvention hat jeder Mensch ein Recht auf Gesundheit ohne Diskriminierung.

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