Wieder ist es extrem heiß in Bayern – und wieder ist der Freistaat in keinster Weise darauf vorbereitet. Diese für viele Menschen sehr gefährliche Situation will die SPD-Landtagsfraktion rasch ändern. Spätestens im Sommer nächsten Jahres sollen Bayerns Regionen und Städte über konkrete und belastbare Pläne verfügen, um effektiv auf Hitzewellen reagieren zu können: mit frühzeitigen Infos für Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Schulen und Kitas, mit Trinkwasserbrunnen oder kühlen Räumen für jedermann. In den jüngsten Hitzephasen hat sich herausgestellt, dass auf Dauer vor allem aufgeheizte Gebäude ein Problem darstellen. Die SPD will daher eine landesweite Strategie für klimafreundliche Kühlungen ausarbeiten – mit Fernkältenetzen und modernen Wärmepumpen, die auch zum Kühlen geeignet sind.
„Einfach aussitzen ist kein guter Plan, um mit sommerlicher Extremhitze fertig zu werden“, erklärt die umweltpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Anna Rasehorn. „Die Hitze dieses Sommers ist keine vorübergehende Ausnahmeerscheinung – sie ist Folge des Klimawandels und wird uns immer öfter heimsuchen.“ Was bedeutet: Künftig muss schon vor Beginn einer Hitzewelle klar sein, was passiert: wie gewarnt wird und wer wie unterstützt werden muss.
Um die dafür notwendigen Hitzeaktionspläne ausarbeiten zu können, sollen die Kommunen finanzielle Unterstützung des Freistaats erhalten. „Es muss ein Landesförderprogramm geben, dazu das nötige Personal, fachliche Beratung und die konkreten Maßnahmen vor Ort“, so Rasehorn. Weiterhelfen kann auch das Prinzip der Schwammstadt, das Wasser in den dicht bebauten Städten hält und so zur Abkühlung beiträgt.
Längerfristiger ist der Plan, die Gebäude effektiv und klimafreundlich kühlen zu können. Dafür bieten sich moderne Wärmepumpen an – dass einige Modelle dieser Geräte auch kühlen können, ist vielen Menschen noch nicht bewusst. „Die Wärmepumpe kann beides: heizen und kühlen – und das auf höchst effiziente Art und Weise“, betont der energiepolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Florian von Brunn. Der Münchner Abgeordnete fordert daher eine gemeinsame Wärme- und Kältestrategie für Bayern. Samt Förder- und Beratungsprogramm für den Einbau besonders sparsamer Wärmepumpen.
Ein besonderer Fokus soll auf die Förderung von Pflegeheimen, Krankenhäusern, Kitas und Schulen gelegt werden. Damit die Wärmepumpe auch in Eigentümergemeinschaften und Mietshäusern ankommt, soll sie im Wohnungseigentums- und Mietrecht denselben Rechtsanspruch erhalten wie die Wallbox für das E-Auto. Florian von Brunn: „Die unnötigerweise vielgescholtene Wärmepumpe kann einen erheblichen Beitrag dazu leisten, klimafreundlich angenehme Raumtemperaturen zu schaffen.“ Eine Alternative in größerem Maßstab sind Fernkältenetze, wie sie die Stadt München bereits betreibt. Auch sie sollen stärker gefördert werden.
Extremhitze ist längst zu einem ernsten Thema geworden – vor allem für ältere und vorbelastete Menschen. Die Hitzewellen dieses Sommers haben laut Robert Koch-Institut allein in Bayern schon mehr als 1050 Todesfälle verursacht. Deutschlandweit sind es fast 10.000. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, chronisch Kranke, Pflegebedürftige, Schwangere sowie Säuglinge und Kleinkinder. Gleichzeitig entstehen der bayerischen Wirtschaft – nach einer Prognos-Studie für das Bundesarbeitsministerium auf den Freistaat heruntergerechnet – an jedem Tag mit Temperaturen über 30 Grad Schäden von rund 73 Millionen Euro.