Die SPD-Woche im Landtag

24. Juli 2026

Heute mit Großerben, die keine Steuern überweisen müssen, und Kleinerben, die die Zeche zahlen.

Holger Kommentar Newsletter

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Interessierte,

zu den wichtigsten Botschaften der SPD zählt seit eh und je, dass starke Schultern mehr tragen können als schwächere. Was in einem Staat bedeutet: Wer mehr Geld besitzt, kann finanziell auch mehr zu unserer Gemeinschaft beitragen als die, die jeden Cent zweimal umdrehen müssen. Dieses Geld ist nicht abstrakt für irgendeine schöne Statistik gedacht, sondern fließt in unsere Schulen und Kitas. In Bibliotheken, Schwimmbäder, Schienen, Straßen und Brücken. Oder auch in unsere Sicherheit. Es kommt der Allgemeinheit zugute.

Leider ist die finanzielle Situation des Staates derzeit nicht so rosig. Es gibt schmerzliche Spardebatten, weil allzu hohe Defizite auf Dauer einfach nicht möglich sind. Umso ärgerlicher ist es, wenn der Staat in einer solchen Situation nicht einmal die Gelder einzieht, die ihm eigentlich ohnehin zustehen. In Bayern fordern wir als Landtags-SPD schon lange, mehr Steuerprüfer einzustellen, um Steuerhinterziehern das Handwerk zu legen. Diese Stellen finanzieren sich locker selbst, da sie ja direkt für Einnahmen des Staates sorgen. Auch unser Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat kürzlich einen Aktionsplan gegen Steuerbetrug vorgestellt.

Im Freistaat besteht derzeit die Möglichkeit, ganz legal die Erbschaftssteuer ganz oder teilweise abzuwenden. Es geht dabei um Betriebsvermögen oberhalb von 26 Millionen Euro – also weder um Omas Häuschen noch um den kleinen Familienbetrieb. Diese Firmenerben durchlaufen eine sogenannte Verschonungsbedarfsprüfung und zahlen dann unter bestimmten Voraussetzungen deutlich weniger oder fast gar nichts mehr. 2024 wurden 45 bayerischen Großerben 3,4 Milliarden Euro erlassen – sie hatten damit nur noch eine Steuerbelastung von 1,5 Prozent. Kleinere Erbschaften wurden dagegen (oberhalb der Freibeträge) mit durchschnittlich neun bis zwölf Prozent besteuert. Fazit: Die Kleinen müssen komplett zahlen, die Großen bleiben verschont.

Das halte ich für ungerecht und für eine Abkehr vom Prinzip, dass starke Schultern mehr tragen können als schwächere. Bitte nicht falsch verstehen: Auch wir Sozialdemokraten wollen nicht, dass Firmen geschlossen oder verkauft werden müssen, weil die Erbschaftssteuer so hoch ist. Nur: Bislang ist es völlig undurchsichtig, nach welchen Kriterien eigentlich darüber entschieden wird und ob diese unter Experten höchst umstrittene Regelung tatsächlich Arbeitsplätze erhält. Das würden wir schon gerne erfahren, bevor die Bürger zu Sparmaßnahmen verdonnert werden. Zum Glück sind wir damit nicht allein: Unserem Dringlichkeitsantrag, den wir diese Woche ins Plenum eingebracht haben, haben mit kleineren Änderungen auch CSU, Freie Wähler und Grüne zugestimmt – er hat damit eine Mehrheit.

Ich bin schon gespannt.

Ihr / Euer
Holger Grießhammer

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